#1

Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 19.09.2026 19:24
von Britta • 12.302 Beiträge

Viel zu viel Zeit war vergangen. Sie hatte längst sich wieder um die Stätte kümmern wollen, doch anderes war dazwischen gekommen. Es tat ihr leid, doch ehrlich gesagt war sie zu müde, um diesem Bedauern viel Ausdruck zu verleihen.
Sie wusste noch nicht mal, wer noch an der Stätte war, oder wer gegangen war, um seine Pflichten an anderen Orten zu erfüllen. Die letzten Monate waren Suchen, Reden, Reisen, Helfen gewesen. MORD. TOT. KRIEG
AUSGLEICH
An manchen Tagen hasste sie ihren eigenen Gott. Sie spürte das Schreien von Cho in ihren Adern... aber das, was die Insel jetzt brauchte, war kein Hass. Kein Zorn. Sie konnte das Brodeln spüren unter der Angst, der Verzweiflung, dem Unglauben.
1000 Jahre Frieden waren gebrochen worden.
Der Krieg war wieder da. Und während eine großer Teil der Völker völlig verängstigt, verzweifelt, verständnislos waren, gegenüber der Gewalt gab es auch die andren. Und die erinnerten sich.
Vieles war vergessen und aberzogen worden, doch das Blut ihrer Ahnen rann durch ihre Adern.
Das Blut derer, die die Pforte gehalten hatten!
Das Blut derer, die die letzte Schlacht erwartet hatten.
Daevartöter!
Pfortenbrecher - SIE hatten das Werk der Götter bezwungen, sich untertan gemacht und unter mehr Opfern als die GEschichten auflisteten mit Blut und Leben den Abgrund zwischen den Welten bezwungen! Nur um danach ihre eigene Schöpfung zu vernichten, mit genausoviel Blut und Leben. Weil sie DEN FEIND nicht gewinnen lassen wollten.

Sie fuhr sich über die müden Augen und sah auf die Berichte.
Die Daka-Jah bereiteten die Krieger vor.
Die Atzelari hatten Wachfeuer an der Küste entlang errichtet. Türme, die nur Wesen wie sie schaffen konnten. Alles andere war eingestellt worden - jetzt wachten sie. Jedes Schiff würde gesehen. Dort, wo sie nicht waren, hatte Mortem, der Fremde, der Aldermann werden wollte, die Küste gesichert.
Der Sechsglanzstamm heizte die Schmieden an, Pflugscharen wurden zu Schwertern.
Der Sumpfstamm sammelte seine Gifte.
Der Todlandstamm schickte seine Sucher aus in die verbotenen Städten. Götter... so viele die darbei starben... oder zurückkamen als Wesen, die kaum noch als Menschen zu erkennen waren... aber die, die zurückkamen, brachten Beute. WISSEN. Teuer erkauft. Und die Fremden Auxaris halfen. Überlebten Dinge, die das Fleisch von den Knochen faulen ließ bei jedem anderen.
Der Stamm der Halle hatte seine Archive geöffnet. Es hatte mehr als Überredung gebraucht. Lehren über den Krieg. Berichte. Hunderte von Seiten, vielleicht tausende. Viele nichts weiter als zerfallendes Papier, Notizen, für heute unbrauchbar. Aber manches ... erschreckend.
Sie hatten so viel getan, um ihre Insel in ein Paradies zu verwandeln. Kein Krieg. Kein Hass. Kein Mord. Kein Neid. Keine Gier...

Sie hatten 1000 Jahre gehabt, während der Rest der Welten blutete.
Nun war es an ihnen.
Sie hatten Pläne ausgegraben. Verteidigungen. Lager. Wie ging ein Gegner vor, dem alles egal war und der keine Ehre kannte? Die Sicherung von Brunnen. Nahrung. Notunterkünften. Alternative Nachrichtenübermittlung.. zum ersten Mal seit 1000 Jahren wieder veschlüsselt. Die Versammlung der Aldermänner war klar gewesen. Ihre Ergebnisse, wenn auch nicht laut verkündet, eindeutig. Die Frage war nur... wie viel Zeit blieb ihnen? hatten die Söldner aufgegeben oder sammelten sie sich zum Schlag?
Zu wenig Zeit... wo sollte sie nur anfangen? Nun, erstmal sollte sie Fragen stellen. Und Nachrichten bringen. Wenn die Anderen genauso unterwegs gewesen waren wie sie, waren sie vielleicht genauso ..planlos? ein hässliches Wort. Sie hatten einen Plan... viele... mhpf... nur welcher war sinnvoll? und welcher überlebte den ersten Kontakt mit dem Feind?

Sie stand auf, straffte die Schultern, dachte kurz an den fröhlichen Pathorpriester, dann an Gunnar. Sie mochte den jungen ... Krieger? nein. Wächter. Ja. ach... stimmt, der verdammte Seelenbaum. Ein weiterer Punkt. Ein späterer.

langsam ging sie durch die Tür der großen Stätte, die immer noch freundlich hell war. Warum waren die Schutzzeichen nicht angebracht worden? ach... zu wenig Zeit. zu wenig Hände. zu viel zu tun.

Fragend sah sie sich um, ob noch jemand da war, den sie kannte.

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#2

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 05.10.2026 16:50
von Britta • 12.302 Beiträge

Die Wache vorne war vom Nomadenstamm. Ach richtig... im Frühjahr hatte es sich noch nach einer guten Idee angehört. Freundlich, redefreudig, jedem zugewandt, alle und alles kennend. Jetzt schien es eher ... unschlau gewesen zu sein, die Nomaden auszuwählen zur Wache. Und da war auch noch das Anliegen von Gunnar, der meinte, eine Dauernde Wache aus allen sTämmen wäre klüger. Mh... und noch der Pfortenstamm.
Sicherlich war es klug, eine dauerhafte Wache einzurichten. Mit den Talenten, die die Stämme boten. Aber Traditionen, die seit 1000 Jahren bestanden, änderte man nicht schnell. Sie rasten schon in gewisser Weise. Sie mussten gerade jedem STamm, jedem Dorf, jedem Weiler klar machen, was KRIEG bedeutet. Krieg - jemand kommt und will dich töten. Er nimmt alles und tötet die, die sich wehren.
Ja, jeder kannte die alten Geschichten aber es machte einen Unterschied, ob man es kannte oder KANNTE. In manchen Dörfern war es fast spielerisch gewesen, die Antworten: wie sichern wir die Ernte? wie den Brunnen?
In anderen war es ernst gewesen, sehr ernst.

sie nickte dem Wächter zu, sah auf das bunte Band und grübelte. Irgendetwas in ihrem Hinterkopf wollte die Antwort nicht ausspucken. Erstmal einen Kaffee in der Taverne. Heil Arabicum. Es war schön, nach Hause zu kommen.

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#3

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 05.10.2026 21:02
von Gunnar_van_Wenz • 15 Beiträge

Gunnar schwieg lange, ehe er an die Taldopriesterin herantrat und sie ruhig in der Ihm eigenen Art und Weise ansprach:

„Werte Priesterin, ich habe nachgedacht...denn am Baum der Seelen ist etwas geschehen, über das ich nachdenken musste."

Er schwieg nachdenklich, bevor er weiter sorach:
"Vielleicht braucht Dochas Nua keine weiteren Krieger. Davon werden wir bald genug haben.“

Sein Blick senkte sich für einen Moment.

„Aber wenn wir wirklich wieder lernen müssen, Krieg zu führen, dann müssen wir auch wieder lernen, unsere Toten nicht auf dem Feld zurückzulassen.“

Er sah sie wieder an.

„Jeder Stamm soll seine Riten behalten. Seine Priester. Seine Gebete. Ich werde niemandem Morr aufzwingen. Aber vielleicht braucht die Wacht einen Teil, der dort beginnt, wo ihre Schwerter enden.“

„Eine letzte Wacht.“

„Sie birgt die Gefallenen. Sie kennt ihre Namen. Sie bewahrt, was ihnen gehörte, und bringt sie zu ihrem Stamm zurück. Sie sorgt dafür, dass kein Toter geschändet und keine Seele gebunden wird. Und wenn einer im Sterben liegt und niemand seines Glaubens bei ihm sein kann, dann soll wenigstens jemand dort sein, damit er nicht allein über die Schwelle gehen muss.“

Gunnar strich langsam mit dem Daumen über den Rand seines Buches.

„Und die Namen werden bewahrt.“

Er steich sanft mit dem Daumen über den breiten Rücken des schwarzen, dicken und schmucklosen Buches, dass er bei sich trug, bevor er weiter sprach.

„Dieses Wesen hat gelebt.
Dieses Wesen ist gestorben.
Dieses Wesen wurde nicht vergessen.“

Dann wurde seine Stimme leiser.

„Nicht, weil die Toten mir gehören. Nicht einmal Morr beansprucht sie auf diese Weise.“

Ein kurzer, finsterer Ausdruck trat in seine Augen.

„Gerade deshalb muss jemand darüber wachen, dass niemand anderes es tut.
Denn es war mir als greife etwas nach diesem Heiligsten das es gibt, gerade so, als wolle es Besitz ergreifen davon"

Er schwieg einen Augenblick.

„Vielleicht ist das der Teil der Wacht, den ich übernehmen kann. Die letzte Wacht an der Schwelle zu sein, ein letzter Garant für den unbeeinflussten Weg der Seelen dorthin, wohin es Ihnen vorbestimmt ist. Ohne das jemand ihren Weg beeinflusst oder Sie daran hindert."

Und nach einer weiteren Pause:

„Vielleicht war es das, was ich am Seelenbaum hören sollte. Und jeder, der mir bei dieser letzten Wacht zur Seite stehen und meinen Weg, meine Wacht, meine Aufgabe mit mir Teilen will, soll mir willkommen sein. Egal welchem Stamm er angehören möge, egal, ob auf Dochas Nua gebohren oder nicht. Solange sein Antrieb mir beizustehen und Teil der letztrn Wacht zu sein ehrlich und rein ist“

Er schwieg erneut und wartete geduldig auf das, was die Taldopriesterin ihm erwiedern würde.

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#4

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 05.10.2026 21:31
von Britta • 12.302 Beiträge

Sie sah ihn an, hob kurz die Augenbrauen, dann lächelte sie.

"Auch schön Euch wiederzusehen. Wie wäre es mit Kaffee?"
Mit diesen Worten schnappte sie sich zwei Becher von der unbekannten Schankmaid, die ein kleines Baby neben sich hatte. Kurz runzelte Merhabi die Stirn. Die Pforte war ein gefährlicher Ort geworden, es war nicht klug, einen Säugling hier zu haben.

Dann aber reichte sie den Becher erst einmal Gunnar und setzte sich.

"Ihr seid ein großartiger Mann, Gunnar von Wenz. Aber manchmal prescht ihr zuweit vor. Also - was habt ihr am Seelenbaum gehört? Und natürlich habt ihr die Wacht. Die Fahnwerder Garde wurde von der Frühlingsversammlung begrüßt, fast einstimmig. Naja, es war logisch, dass der Stamm der Totenjäger dagegen war. Aber trotzdem. Das einzige, was wirklich störte, war diese "Kinderlosigkeit", aber es wurde beschlossen, das sieht man so wie bei einem Jägerbund. Während der Bundzeit hat man halt keine Zeit für Kinder, also ist es eher was für sehr junge oder sehr alte Männer und Frauen oder solchen, die Witwe oder Witwer sind oder solchen, die keine Kinder wollen."

sie runzelte die Stirn, trank einen Schluck.

"WEnn der Überfall nicht dazwischen gekommen wäre, dann wäre das alles längst formell und verkündet. Aber er kam dazwischen. mh... Das andere ist auch eine schlaue Idee. Eine permanente Garde aus ALLEN Stämmen auch hier an der Pforte. Ein übergeordnetes Bündnis ist nichts absolut Neues, das letzte Mal brauchten wir es allerdings, als das Monster vom Metallsee uns tyrannisierte. Aber da" sie seufzte "ist einfach das Problem der Tradition. Und das SIE uns erwischten, nach der Frühjahrsversammlung." sie rieb sich müde die Auigen.

"WIR - die Priesterschaft - und WIR die Versammlung der Aldermänner wollen SCHUTZ für die Seelen der Verstorbenen. In alter Zeit kamen die, die sie stahlen. Letztes Jahr kamen ZWEI , die zwei Seelen mitnahmen. Das heißt, die dunklen Zeiten sind zurück. Wir hatten Frieden während ihr 1000 Jahre Krieg hattet. Nun kommt der Ausgleich. Aber wir können und werden nicht zulassen, dass jemand die Seelen stiehlt oder versklavt oder vernichtet. Ich habe ein paar Gesetze formuliert, will aber Eure Meinung zu ihnen hören. Die Fremden denken oft anders als wir und ich will KLARE und EINDEUTIGE Gesetze, die jeder begreift, nicht nur wir Einheimischen." Sie kramte ein Buch heraus, eines von mehreren, er erkannte das eridmeische Papier. Sie wirkten eng beschrieben mit Notizen.

"Und die Shuru sind wenige und nicht überall. Noch weniger geworden seit den Kämpfen mit den Söldnereinheiten. Wir brauchen Menschen... oder sagen wir, Nicht-Shuru."

sie sah ihn lange an. "ich habe senden lassen zu den Stämmen, die ihre Probleme mit den Geistern selbst lösen müssen, damit sie Euch Ihre Methoden zeigen. Außerdem habe ich ALLES zu dem verdammten Seelenbaum sammeln lassen an Legenden, die es gibt. Und warum wir das Problem haben. Die sind... widersprechend ist so hübsch formuliert. Sagen wir mal: herausfordernd in der Frage, was wirklich wahr sein könnte. Aber gerade habe ich mehr Wissen über "was ist schief gegangen auf Dochas Nua und warum haben wir hier so viele Geister" als ich je wissen wollte."

sie schauderte.

"aber zurück und vergebt, ich sagte, ich werde wirr sein. Ich bin zu alt für diesen.. mh.. diese Geschehnisse. Also: WAS habt ihr am Seelenbaum gesehen? "


zuletzt bearbeitet 05.10.2026 21:32 | nach oben springen

#5

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche Gestern 06:59
von Gunnar_van_Wenz • 15 Beiträge

Gunnar schwieg lange.

Dann stellte er den Becher beiseite.

„Ihr habt recht. Ich bin zu weit vorausgeeilt.“

Sein Blick wurde hart.

„Darum sage ich Euch nicht, was ich glaube, gesehen zu haben. Ich sage Euch nur, was geschehen ist.“

Eine kurze Pause.

„Ich legte die Hand an den Seelenbaum.“

„Und hörte Dochas Nua.“

„Namen. Gebete. Letzte Worte. Stimmen Sterbender und die Bitten jener, die sie ihrem Weg anvertrauten.“

Seine Finger schlossen sich langsam.

„Dann verstummte eine.“

„Nicht, weil sie verschwand.“

„Sondern als hätte etwas nach ihr gegriffen.“

Gunnar hob den Blick.

„Danach fiel die Welt unter mir fort.“

„Ich sah die Wurzeln des Baumes in einer Finsternis hängen, die keinen Boden kannte. Zwischen ihnen zogen Seelen.“

„Und etwas wartete dort.“

Seine Stimme wurde leiser.

„Alt.“

„Geduldig.“

„Es fraß sie nicht.“

„Es vernichtete sie nicht.“

„Es sammelte sie.“

Stille.

„Als wären Seelen Besitz.“

Gunnar atmete langsam aus.

„Dann schmeckte ich Metall und Asche.“

„Ich sah eine Halle ohne Ende. Stimmen hinter schwarzem Glas. Einen leeren Thron. Eine Krone.“

„Und Königreiche, die noch nicht geboren waren.“

Sein Blick verdunkelte sich.

„Was davon Bedeutung hatte, weiß ich nicht.“

„Aber auf der Rinde des Baumes erschienen sechs schwarze Spuren.“

„Drei waren kalt.“

„Eine war warm.“

„Eine brannte.“

Er schwieg.

„Und bei der sechsten öffneten sich hinter mir zwei blaue Augen.“

Seine Hand wanderte unwillkürlich zum Rabensiegel.

„Ich legte die Hand auf die Male und sagte:“

„Sie gehören dir nicht.“

Lange geschah nichts.

Dann:

„Etwas in der Dunkelheit bemerkte mich.“

Seine Stimme sank fast zu einem Flüstern.

„Und ich hörte nur ein Wort.“

„Wache.“

Gunnar sah an der Priesterin vorbei, als stünde etwas hinter ihr.

„Als ich wieder auf den Baum sah, waren es nur noch fünf Spuren.“

„Die sechste war verschwunden.“

„Und irgendwo… weit entfernt… öffnete jemand die Augen.“

„Sie waren grün.“

„Dann wurden sie blau.“

Sein Blick kehrte zu ihr zurück.

„In diesem Augenblick wusste ich nur eines.“

„Wer sieht… wird gesehen.“

Eine lange Pause.

„Dann kam das Wort erneut.“

„Wache.“

Gunnar legte die Hand auf das schwarze Buch an seiner Seite.

„Mehr weiß ich nicht.“

„Nicht, wem der Thron gehört.“

„Nicht, was die Halle ist.“

„Nicht, wer diese Augen hatte.“

„Nicht, was die sechs Spuren bedeuten.“

Dann wurde seine Stimme kalt.

„Aber ich habe gesehen, wie etwas nach Seelen griff.“

„Wie es sie nahm.“

„Sammelte.“

„Bewahrte.“

„Als hätte es ein Recht auf sie.“

Er schüttelte langsam den Kopf.

„Dieses Recht hat niemand.“

„Nicht ich.“

„Nicht Morr.“

„Kein Gott, kein Priester und kein König darf eine Seele besitzen.“

Ein Schatten lag nun in seinem Gesicht.

„Und was immer dort unten wartet… auch nicht.“

Er sah auf die Aufzeichnungen der Taldopriesterin.

„Darum sprach ich von der letzten Wacht.“

„Vielleicht war das Wort ein Auftrag.“

„Vielleicht eine Warnung.“

Gunnars Blick wurde vollkommen ruhig.

„Vielleicht war es dasselbe.“

Dann, leise:

„Sagt mir, Priesterin…“

„Steht in Euren Legenden etwas über sechs Spuren?“

„Über eine Halle aus schwarzem Glas?“

„Oder über Dinge, die glauben, dass die Toten ihnen gehören?“

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#6

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche Gestern 08:58
von Britta • 12.302 Beiträge

Sie atmete tief durch. "uff... nun. Nicht direkt." sie überlegte.

"In den Legenden heißt es, dass vor 1000 Jahren, als die Gegner anrückten, einige unter ihnen waren, die Seelen sammelten. Nicht die Daevar! sondern Leute, die wie ganz normale Leute aussahen. Krieger. Angeblich ein Magier. Dass sie die Seelen banden und in einer Überlieferung heißt es, sie gaben sie weiter in das Banner von Bluthammer, dem Anführer der Angreifer.
In den Aufzeichnungen des Schildstammes, die sich auf die Heronpriester unter den Verteidigern zurückführen, heißt es, der Anführer wäre ein Diener des Fünften selbst oder ein direkter Diener eines solchen Dieners gewesen. Anscheinend hat DER FEIND Diener in diese Welt gesandt, die seine Heere führen sollten. Aber da wisst ihr Schicksalsschmiede mehr als ich. Zur Jahreswende erzählte mir einer ..ich weiß gerade gar nicht mehr wer .. in der TAverne davon, dass einer dieser Diener sich gegen seinen Herrn gewandt hat. Ein Mann namens Mandrakis. Und Euch Schicksalsschmieden die Möglichkeit gab, in die andere Welt? den Traum der Demiurgen? zu reisen, um dort die Hand zu sein, die seine Brüder auswählten den Fünften zu töten. Leider weiß ich nicht, wie viele Diener DER FEIND in diese Welt sandte. Ich habe mir den Begriff für sie gemerkt: König kommender Königreiche. Ich fand das durchaus aussagekräftig. Ich denke, wenn ihr da genaue Auskunft braucht, fragt Mortem Tha oder Pater Jonathan oder einen der Rhyat-Gesandten, falls ihr in der Lage seid mit diesen in Ruhe zu reden. Die Leute von Rhyat scheinen eine sehr, sehr lange und blutige Geschichte im Kampf zuerst für und dann gegen DEN FEIND zu haben. Und sie haben eine gute Überlieferung, schließlich sind einige, wenn auch sehr wenige, möglicherweise aus den ersten Tagen des Angriffs auf unsere Welt." sie überlegte, trank einen Schluck.

"da es der Seelenbaum ist, könnten die Spuren natürlich anderes bedeuten. Es müsste nichts schlechtes sein. Ich weiß, die Farbe grün wird von den Schicksalsschmieden gefürchtet, sogar gehasst. Aber Bäume sind Grün, Blätter auch. Es gibt verschiedene Legenden über den Seelenbaum. Eine sagt, er sei entstanden, als ein Diener von Grantelgrimm Bluthammer starb und mit seinen Artefakten schlicht und ergreifend von einem Erdrutsch oder ähnlichem begraben wurde. Der Baum darauf soll seine Wurzeln um das Artefakt geschlungen haben und angefangen haben, Seelen zu sammeln. So erzählt es der Totlandstamm. Eine andere Legende des Zentralwaldes sagt, dass VOR dem Axtfall die Angst der Verteidiger, verschlungen zu werden, irrsinnig groß war. Viele der Priester waren getötet worden. Ander erhielten keinen Zugang mehr zu ihren Göttern. Das sagen übereinstimmend der Meermuschelstamm und die Hiesigen aus. Auch der Schildstamm bestätigt dies. In der letzten Phase der Verteidigung war es, als wenn sich etwas zwischen die Priester und die Götter geschoben hätte. Schon vor dem Axtfall. Auf jeden Fall muss einer der Flüchtlinge, die durch das Tor zu uns kamen, ein Druide gewesen sein. Ein Baumsprecher. Die Namensüberlieferung ist unsicher, wahrscheinlich Markus Starkherz? Baumsprecher? Weltenseher? Weltensprecher? Der Zentralwaldstamm ist nicht sicher. Aber dieser Mann muss intensiv bei der Verteidigung der Pforte geholfen haben. Angeblich schuf er den ersten Baum, hier, an der Pforte, damit er die Seelen der Sterbenden einsammelt, damit diese nicht in die Hände Grantelgrimms und seiner Diener und damit nicht an die Daevar fallen. Ein Blitz oder Brand soll den Baum vernichtet haben, aber anscheinend hat man nach dem Axtfall genügend junge Triebe aus ihm züchten können, um sie über der Insel zu verteilen, als klar wurde, dass irgendwas ganz, ganz furchtbar schief ging."

sie überlegte weiter. "Die Zeit nach dem Axtfall ist pures Chaos gewesen. Erst die Reinigung der Insel vom Feind. Dann irgendwie all die Kämpfer, Verteidiger, Flüchtlinge organisiert bekommen. Genug Nahrung und Schutz finden. Und ...die Götter sprachen nicht mehr zu uns. Keine Wunder mehr. Keine Anhörung von Gebeten. Geister von Toten, die umher irrten. Als hätte Tod zu viel zu tun oder wüsste nicht, wie er sie abgeben soll. Es heißt, die Geburtenrate sank rapide... aber das könnte natürlich auch an Hunger und Leid liegen." sie blickte hoch in Richtung der ersten Etage. "es heißt, damals hätte der aus Iskarioth kommende Traumherr die Seelen der Toten empfangen und sie in die Ungeborenen getan. Aber... ICH habe ihn das nie gefragt." sie war vom Thema abgekommen, oder nicht?

"In gewisser Weise "gehören" die Toten Mora. Der Tod muss die Seelen bergen, den zur Seele verknüpften Faden vorsichtig aufknöpfen und den Faden dann Na-An geben, damit er ihn neu verknüpft und Durr gibt, damit Durr das neue Gewebe in die Ungeborenen legt. Damit hättet ihr drei, die auf unserer Insel für die Seelen zuständig sind. Wir haben kein... Gericht über die Seelen. Keine Nachwelt. Wenn ein Seelenknäul zu sehr mit blut befleckt ist, dann wäscht Mora es oder ribbelt den Faden sogar auf. Doch auch wenn die Erinnerungen dann fort sind, die Substanz des Fadens selbst wird erhalten so gut es geht und geht an Na-An zum neu spinnen. mh... Keine 4 oder 5 oder 6 die beteiligt wären." Sie überlegte

"ich weiß weder, wie viele Diener Grantelgrimm Bluthammer hatte und ob von denen noch einer irgendwo überlebt hat. Noch wie viele Könige kommender Königreiche es gab und ob er einer von Ihnen war oder ihr Diener. Drei kalt spricht für drei tote Spuren. Eine warm... lebendig aber zu weit weg? eine heiß... normalerweise ein Problem. Eine verschwunden. nun... möglicherweise wollte jemand oder etwas nicht, dass man es sieht." Sie runzelte die Stirn.
"es gab niemals eine Halle aus schwarzem Glas, soviel ich weiß. Allerdings gibt es bei uns die Seelenkristalle... aber die sind weiß. Und DER FEIND soll in Iskarioth in einer Kuppel aus Kristall oder Glas gefangen gewesen sein. Da kenne ich aber die Farbe nicht." Sie überlegte kurz.
"ich würde Euch bitten, Eure Vision aufzuzeichnen, solange die Erinnerung frisch ist. Wir richten oben eine Bibliothek ein, da muss das mit hinein. Und vielleicht ...sollte ich langsamer machen, Punkt für Punkt, wie Torukgar immer sagt?"


zuletzt bearbeitet Gestern 09:01 | nach oben springen

#7

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche Gestern 15:22
von Gunnar_van_Wenz • 15 Beiträge

Gunnar schwieg einen Moment.

Dann sah er die Taldopriesterin an.

„Lasst uns nur zwei Fragen klären.“

Seine Hand ruhte auf dem Rabensiegel.

„Wo ist mein Platz?“

Eine kurze Pause.

„Und was greift dort nach den Seelen?“

Sein Blick wurde hart.

„Ihr sagt, Mora birgt sie, Na-An führt ihren Faden weiter, Durr gibt ihn den Ungeborenen.“

„Bei mir tragen die Dinge andere Namen.“

„Aber weder Eure Ordnung noch Morr kennt Besitz an einer Seele.“

Er atmete langsam aus.

„Und doch habe ich etwas gesehen, das sie sammelt.“

„Nicht vernichtet.“

„Nicht verschlingt.“

„Sammelt.“

Gunnar schwieg kurz.

„Darum will ich wissen, wo der Weg einer Seele verwundbar wird.“

„Beim Sterben?“

„Am Baum?“

„Danach?“

„Und wer dort nach ihr greifen kann.“

Dann wurde seine Stimme leiser.

„Denn vielleicht ist genau dort mein Platz.“

„Nicht als Herr der Toten.“

„Nicht als Richter.“

„Sondern als Wache.“

„Zwischen dem letzten Atemzug und dem Ort, an den eine Seele gehen soll.“

Er sah der Taldopriesterin fest in die Augen.

„Wenn Mora sie erwartet, soll sie Mora erreichen.“

„Wenn Morr sie ruft, soll sie Morr erreichen.“

„Wenn ihr Weg ein anderer ist, soll niemand ihn ihr nehmen.“

Eine Pause.

„Also zeigt mir diesen Übergang.“

„Zeigt mir, wo er gestört werden kann.“

„Und helft mir zu verstehen, was dort im Dunkeln bereits nach ihnen greift.“

Seine Stimme wurde vollkommen ruhig.

„Denn wenn dies mein Platz ist, werde ich ihn halten. Auch wenn zwischen einer Seele und dem, was sie besitzen will, am Ende nur noch ich stehe.
Sagt mir, wer greift dort nach den Seelen...oder was."

zuletzt bearbeitet Gestern 15:23 | nach oben springen

#8

RE: Am Ende des Sommers

in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche Gestern 17:57
von Britta • 12.302 Beiträge

Sie sah ihn zögernd an.

"ich bin... sterblich. Lebendig. Priesterin des Taldo. Auch wenn ich... von den anderen anerkannt wurde für sie zu sprechen. Und einst CHO diente."

Die Stimme war vorsichtig, abwägend.
"Hier auf Dochas Nua ... wir sind anders als das Königreich. Dort haben sie Priester und höhere Priester und viele Tempel und Hierarchien. Dort wird ein jüngerer von einem älteren unterrichtet und geweiht. HIER sind wir so wenige.. und die Götter so jung... dass wir mit IHNEN reden."

Die Stimme wurde ruhiger, sicherer. Ermutigend.

"Wenn DU, Gunnar von Wenz, wissen willst, warum Mora hier die Seelen nicht immer sicher in ihrer Hand bergen kann oder wer danach greift und wo DU Wache stehen sollst, dann frage die Götter. Glaub mir - sie werden antworten. Vielleicht nicht so, wie es dir gefällt. Aber sie antworten IMMER. Wobei ich nicht weiß, ob sie es wissen. Sie sind JUNG und Dochas Nua war lange abgeschnitten." Ihre Augen wurden kurz dunkler. "ICH würde Cho fragen. Er, der vernichtet. Sie, die tötet. Das, was zerstört. Cho ist MEHR als ein kleiner Gott. Er ist ein PRinzip. So wie die anderen auch. Aber er ist derjenige, der das Leben zerstört und das Herz still stehen lässt. Er müsste wissen, was dann geschieht und sehen, wohin die Seelen gehen. Warum hier das Miasma so stark ist, dass die, die bleiben, sich einen neuen Körper gestalten können. Frag IHN. Und frag MORA. Was ihre Hände hemmt. Oder ob es nur Seelen der Vergangenheit sind, die damals keinen Übergang fanden." sie runzelte die Stirn "wobei das Problem mindestens drei Jahrhunderte andauerte... und es jetzt immer noch vorkommt."

Sie lehnte sich zurück, der Kaffee war vergessen.

"Kein Lebender kann an der Schwelle stehen. Kein Lebender kann zwischen den Landen wandeln. Noch nicht mal wir vom Todlandstamm überschreiten DIESE Grenze... auch wenn wir die Grenze zum Flammenreich kennen, wo das Blut wie Feuer in Strömen zwischen totem Fleisch fließt. Oder dem, was einst Fleisch eines Gottes war."
sie beugte sich vor.

"achtet auf Eure Wünsche, Gunnar von Wenz. Der, der auf der Schwelle steht, gehört zu beiden Reichen - und zu keinem. Es wird Euch einsam machen auf Eurem Weg. Und vielleicht auch am Ende, wenn alle Worte gesagt und alle Taten getan und die Wache die letzte und einsam ist. ... Und WENN es nötig ist, dass ihr euch auf die Schwelle begebt... der Rat hat anderen gestattet an Eurer Seite zu dienen. Lehrt sie, sobald ihr Wissen habt. Es ist gut, wenn ihr bereit seid, der Letzte zu sein. Der Einzige." Sie schob ihm seinen Kaffeebecher hin. Sie wollte diesen jungen Krieger nicht verlieren. Sie sah die letzte Tapferkeit, die große Ehre, wenn sie sie erblickte. "Aber... ihr seid so verdammt JUNG!" sie schnaufte.

"was haltet ihr davon, wenn wir uns erst durch alle Legenden und den ganzen Dreck arbeiten, den die Stämme uns geschickt haben und ihr DANACH die Götter fragt? Ich glaube, ihr habt schon genug Aufmerksamkeit der HOHEN auf Euch gezogen. Ihr braucht nicht noch die letzte Weihe..." zumindest noch nicht. Aber diesen Zusatz dachte sie nur, sie sprach ihn nicht aus.

"mindestens zwei der Stämme haben Artefakte, von denen sie glauben, dass die Seelen sich um sie herum sammeln." vielleicht würde ihn DAS ablenken. "sie werden beide hierhin senden."


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