|
|
|
Briefe: Gedanken zur Magie
Briefe: Gedanken zur Magie
in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 04.02.2026 21:55von Britta • 12.266 Beiträge
Mein Freund,
Du hast mich gebeten, Dir mein Wissen über die Magie und ihre Anwendung in Eridmea zu geben. Ich muss gestehen - mir graut davor, dir diese an sich leicht klingende Bitte zu erfüllen. Denn wisse, Magie ist in Eridmea nicht so wie bei Dir in Arcanis. Es ist kein ewig-gleiches Regelwerk von Gesetzen. Ja, natürlich, auch wir haben Gesetze, sonst könnten wir nicht Zaubern. Wenn Eridmea völlig chaotisch wäre, würde niemand es wagen, eine Formel zu sprechen. Aber es ist nun mal so, dass bei uns alle Magie durch Azroth kommt, einen Gott. Einen Gott, der Rätsel liebt, Verborgenes und als Ansprechpartner normalerweise nicht zur Verfügung steht. Somit sind wir eridmeischen Magier in den Augen der Meisten schlicht und ergreifend eine seltsame Art von Priester.
Wir haben keine Altäre und Tempel, dafür haben wir unsere Bibliotheken, Studierzimmer oder das freie Feld.
Wir beten nicht, sondern wir zaubern, aber für einen Eridmeer ist jeder Zauber in gewisser Weise ein Gebet, das der Gott erhört.
Wenn du diesen Gedanken in seiner Gänze begreifst, dann verstehst du auch, warum wir uns nicht aufregen, wenn eine Formel, die wir zehntausendmal gesprochen haben, diesmal nicht ganz so funktioniert wie sonst. Vielleicht will der Gott uns auf irgendetwas aufmerksam machen, vielleicht gibt es zu beachtende Einflüsse, die dem Zaubernden nicht bewusst sind, vielleicht liegt es aber auch an dem verdammten Zerschmettern des Astralraumes, des LEIBES Azroth.
Denn wir glauben nicht nur, dass es göttliches Wirken ist, wenn wir Zaubern. Wir glauben auch, dass vor ungefähr tausend Jahren unser Gott durch die Axt Kaintors in Stücke gehackt wurde. Nun liegt er, sein Blut ist Flammen und Lava, nicht tot aber sicherlich beinah zerstört, um uns herum. Seine Macht sickert noch in uns ein, wenn wir ruhen, seine Zauber, die er uns lehrte, funktionieren noch... aber wer weiß schon, ob dort, wo ich Magie webe, gerade ein Strom seines Blutes durch das fließt, was du Astralraum nennst, oder ein Stück seines Fleisches "heilt" ?
Ich persönlich finde, dass für unsere wirklich mieserable Ausgangssituation, wir erstaunlich stabile Gesetzmäßigkeiten haben. Aber es würde mich auch nicht wundern, wenn ich zu einer Insel komme, wo jeder Zauber ein vielfaches an Energie kostet, oder keinerlei Feuerzauber möglich sind oder ähnliches. Das sind die Unabwägbarkeiten, die meiner Meinung nach das Leben erst spannend machen. Schließlich bin ich Magier und damit Forscher. Wenn ich gewollt hätte, dass mein Leben eintönig ist, dann wäre ich Schmied geworden. Hammer drauf und Delle drin, 1000 Mal und immer gleich. (und ich weiß, dass es nicht so einfach ist, aber es sieht halt so aus und du weißt ja, wenn ich überzeichne kann ich anschaulich schildern)
Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass du unser chaotisches Eridmea überlebst und wie gesagt, sei getröstet:
Niemand verlangt von dir, dass du hier Azroth anrufst oder zur Morgenandacht gehst. Unsere "Priesterschaft" ist da eher eine Art von Privatsache.
Niemand wird seltsam gucken, wenn du anders zauberst als wir. Das sind wir hier gewöhnt
Und die meiste Zeit gibt es sowas wie Regeln... an den meisten Orten. Nimm die anderen als Geschenk und nicht als Last. Vielleicht werden wir irgendwann hinter DAS GROSSE GEHEIMNIS kommen, aber manchmal frage ich mich, ob es diese Antwort wirklich gibt oder ob man am Ende nicht in das Anglitz Azroths schaut und der einfach lacht.
Pass auf dich auf und denk dran: Ritualwachen sind gut, Schutzkreise besser, beides zusammen optimal!
Dein Dir ewig in Freundschaft verbundener
Franziskus
RE: Briefe: Gedanken zur Magie
in Die Insel der Hoffnung - intime Gespräche 05.02.2026 09:07von Britta • 12.266 Beiträge
Lieber Freund,
danke für die Antwort, aber SO schlimm ist Eridmea nun auch nicht, oder? Ja, in einer perfekten Welt sollte jeder Spruch zu jeder Zeit und jedem Umstand den perfekt gleichen Effekt haben ... aber wäre das Leben dann nicht langweilig? Außerdem verlangst du da von unseren Göttern Perfektion und wenn sie eines nicht sind, dann das!
Sie sind begrenzt. Weder allwissend noch überall noch allmächtig. Worauf man sich verlassen kann: sie tun ihr BESTES! Ich glaube, seit dem ersten Angriff des FEINDES tun sie nichts anderes, als ständig gegen Entwicklungen ankämpfen, die so nicht geplant waren, improvisieren, mit aller Macht sich gegen die Vernichtung allen Lebens stemmen. Wir haben nun mal nicht die perfekte Welt von Arcanis - wenn du mir diesen ironischen Seitenhieb verzeihst.
Nun aber zur Magie. Mh...
Es gibt magische Macht. Die, die gelernt haben, sie zu ihren Gunsten zu nutzen, können das auf verschiedene Arten und Weisen. Manche sind streng logisch, so wie du, haben Worte, Gesten, Komponenten, komplizierte Symbole und mathematisch wunderschöne Gebilde. Andere hopsen herum, brüllen und schleudern ihr Blut auf jemanden, während sie erklären, dass sie jetzt die böse Krankheit austreiben. Beides funktioniert.
Damit kommen wir zu dem Schluss: es ist der Geist, die Vorstellungskraft, der Wille und die Macht des Magiers, die einen Effekt in die Welt ruft. Wenn irgendetwas davon zu schwach oder wenig entwickelt ist, wird der Zauber nicht funktionieren.
Der Geist muss geschult werden, deswegen gibt es Lehrlinge, Meister und Großmeister.
Die Vorstellungskraft setzt uns Grenzen ebenso wie unser Wille.
Die Macht ist von Geburt an unterschiedlich verteilt und muss durch kontinuierliches Training erweitert und kontrolliert werden.
Als Magier nehme ich magische Macht in mich auf, durch Meditation oder Schlaf. Sie sickert in mich ein und füllt mich auf. Wie groß mein Reservoir ist hängt dabei von meiner inneren Struktur ab. Als Faustformel gilt: um so mehr Sprüche ich beherrsche um so größer mein Reservoir, es entspricht ungefähr der Gesamtmenge der magischen Energie der Formeln, die ich kenne. Und ja, ich weiß, du magst keine Faustformeln, aber wer will denn mit einer Waage so etwas messen?
Jeder Effekt hat unterschiedlich viel Macht. Der kleinste ist ein "Ignitia", (OT 5 MP) das Schaffen eines kleinen Lichtes, das, was man Lehrlingen beibringt. Normalerweise ist bei dem Sechsfachen davon Schluss für Lehrlinge. Ein Meister kann die achtfache Menge beherrschen. Ein Großmeister fängt bei der zehnfachen an und hört irgendwo bei der zwanzigfachen auf, wenn er denn aufhört. Wir reden jetzt nicht über Rituale, sondern bleiben bei dem Einzelnen. Die kleinsten Zauber nennen wir "Lehrlingszauber", eben weil sie jedem Lehrling zugänglich sind.
Zum klassischen Zaubern benötigt ein Lehrling das Wort, eine Geste und meistens eine Komponente. Wenn jemand aus der alten Schule ist wie ich, so lässt er den Lehrling morgens eine kleine Schriftrolle vorbereiten, die beim Sprechen des Zaubers von diesem vernichtet wird. Aber ich bin auch uralt. Auf der anderen Seite fand ich immer, dass Lehrlinge so sich die magischen Zeichen des Azroth besser einprägen können. Ich bin mir nämlich immer noch nicht sicher, ob nicht in denen Macht an sich liegt. Ich meine... tut es nicht. Denn sonst könnte ich einem Magier sagen : Male dieses Zeichen, spreche dieses Wort, fülle es mit Macht und "etwas" wird passieren" und dann würde derjenige einen Zauber wirken können, OHNE dass er weiß, was er da tut. Aber so funktioniert es nicht. Trotzdem... wir wissen, dass es Runen gibt, die man mit Macht füllen kann. Nicht Knickfoki, die meine ich nicht. Alte Zeichen, die in sich Macht tragen, weil der Zauberer, der sie erschuf, quasi den Spruch in sie hinein gelegt hat und sie nur noch aktiviert werden müssen. Mh - ich glaube, ich muss mal ein paar Experimente machen dazu. Schön mit dir zu schreiben, es bringt mich auf Ideen, über die ich lange nicht mehr nachgedacht habe.
Gruß
Franziskus
| « nach dem RnA 2 - Thread 3 - Gespräch mit einem Opnavi-Hüter | Nach dem RnA 1 - die Insel der Hoffnung » |
Forum Statistiken
Das Forum hat 928
Themen
und
41779
Beiträge.
|
Foren-Chat
4
| Einfach ein eigenes Forum erstellen |
Lesezeichen
Antworten
Besucher
Forum Statistiken