#1

Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 02.01.2022 19:48
von Britta • 11.576 Beiträge

...
Etwa zwei Mondläufe später.....


Pünktlich um Mortem Tha auf einer erneuten Reise nach Rhyat zu begleiten, hatte Bella sich von Mai und Lorenz verabschiedet, im Hinterkopf die Absprache, nach dem Erringen der Krone nach Möglichkeit zum Haus im Wald zurückzukehren.
Mais Erlaubnis, sie erneut an diesem sicheren Ort aufzusuchen, hatte die Halbelfe auch während langen Tagen und Nächten in Rhyat lächeln lassen.
Noch während der eigentlichen, langen, langen Anreise in Gesellschaft des Heiligen und seiner Armee, verlor Bella im finsteren, nassen Wald jedes Zeitgefühl. Die Augen wurden nutzlos, nur ihr Gehör, auf dass sie sich schon so oft hatte verlassen müssen, bewahrte sie vor einem Sturz den Berg hinab, ließ sie wissen, wer in ihrer Gesellschaft war, Bewegungen von Freund und Feind unterscheiden, bis sie den Aufenthaltsort der Krone in etwa hatten ausmachen können.
Tage und Nächte vergingen, in denen Zeit als solche immer mehr an Bedeutung verlor, bis lediglich Sonnenauf- und Untergang über Leben und Tod entschied.
Welche Nacht genau es war, die zweite oder schon die dritte, als der Anhänger, den Lorenz am Hals trug, plötzlich strahlte wie der hellste Stern am Himmelszelt, ehe er ebenso so schlagartig wieder erlosch, hätte Bella selbst beim besten Willen nicht mehr beantworten können.


3 Tage später....

Der Abend war über Eridmea gekommen, zu Bellas Glück erst die aufkommende Dunkelheit, als sie sich langsam der besprochenen Stelle im Wald näherte, an der der Hochmeister sie verabschiedet hatte. Ab diesem Ort, erinnerte sie sich, wenn auch nur vage an den Weg, den sie bei ihrer ersten Reise hierher, gemeinsam genommen hatten, um das Haus voller Kerzen zu erreichen, das Bella nicht mit allen Farben in einer Geschichte besser hätte malen können.
In einen dunklen Mantel über der vertrauten, blauen Robe, gekleidet, betrat sie die Lichtung, die sie vor einem gefühlten Leben verlassen hatte. Kühl, ein wenig nass vom aufkommenden Regen strich ihr der Wind über die Haut, erinnerte daran, dass nach wie vor der Winter herrschte.
Seltsam welche Dinge in den Hintergrund gerieten, wenn kaum ein anderer Gedanken mehr zählte, als im Krieg den kommenden Morgen zu sehen.
Im bei ihrer Abreise noch fuchsrotem Haar, schimmerten zwei schneeweiße Strähnen und eine Müdigkeit, die über eine aufreibende Reise hinaus ging, war Bella anzusehen, auch wenn sie sich alle Mühe gab, sie wie üblich zu überspielen. Schwer und sicher hing ihr die Heilertasche über der Schulter. Die rußgeschwärzte rechte Hand hielt den Stab, den Lorenz bei ihrer letzten gemeinsamen Unternehmung gesehen hatte; hübsches, helles Holz auf dessen metallenen Aufschlägen Noten zu sehen waren, die Linke war von der Handfläche abwärts den Unterarm hinauf frisch verbunden.


zuletzt bearbeitet 02.01.2022 19:49 | nach oben springen

#2

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 02.01.2022 23:47
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Immerhin Bella hatte es vor dem Sturm geschafft die kleine Insel zu verlassen um an der Expedition zur Jahreswende teilzunehmen.
Elendiges Eridmea... Würde es denn niemals aufhören schief zu laufen?
Kurz nachdem Bella abgereist war, hatten auch er und Mai sich auf den Weg machen wollen, doch Eridmea und sein Wetter hatten andere Pläne gehabt.
Ein tagelanger Sturm und hochaufgebäumte Wellen hatten jede Form der Abreise verhindert. Erst vor einem Tag war der Sturm dann final abgeebt und offenbarte nun was er hinterlassen hatte. Eine nunmehr leichte Brise, verglichen mit den letzten Tagen, doch nochimmer genug Wind um unangenehm zu sein und jedes andere Geräusch als selbigen zu verdecken. Heute hätte selbst Lorenz schleichen können...

Bellas Weg zur Hütte war beschwerlich. Dicke Äste, ganze Bäume waren in den Weg gestürzt den sie sich gemerkt hatte.
Doch trotzdem kam sie unbeschadet an.

Vorsichtig öffnete der Magier die schwere Holztür der Hütte, die ihnen in den letzten Tage Schutz und Zuflucht gegeben hatte, als er Bella auf dem Weg sah.
Lächelnd winkte er sie herein und nahm ihr Stab und Mantel ab, ehe er letzteren zum trocknen auf den Kleiderständer nahe des Ofens hängte.

In der Hütte war es wohlig warm und es schien als wäre die Zeit hier stehengeblieben. Nichts war von Krieg zu spüren, nichts vom Sturm und der Kälte dort draußen. Es war fast als existierte hier drinnen eine eigene kleine, aber sichere Welt.
Das leise Prasseln des Kamins wurde nur überdeckt vom Blubbern des kochenden Wassers, welches Mai gerade vom Ofen nahm und damit Kaffee und Tee aufgoss. Fast als hätte man Bella erwartet.

Nachdem sich alle gesetzt hatten und mit Tee oder Kaffee versorgt waren, musterte Lorenz Bella unverhohlen und es schien fast als würde ein Lächeln auf seinem Gesicht aufziehen.

"Wenigstens einer von uns hat es offenbar zur Expedition zur Jahreswende geschafft. Und immerhin bist du in einem Stück..."

Dann ließ er seinen Blick einen Moment auf ihren Haaren und auch auf ihrem verbundenen Arm ruhen. Die Haare schienen ihn für den Bruchteil einer Sekunde zu sorgen, doch dieses Gefühl schüttelte er fürs Erste ab.

"Ich hoffe sehr, die anderen sehen noch beiweitem schlimmer aus als du?
Möchtest du uns von deiner Reise erzählen?
Anuket hatte kein Erbarmen mit uns und hat uns hier festgehalten. Tagelang..."


zuletzt bearbeitet 02.01.2022 23:48 | nach oben springen

#3

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 03.01.2022 09:56
von Belladonna • 210 Beiträge

Nach den letzten Tagen von Gewalt, Finsternis und Entscheidungen, die kein lebend Wesen treffen wollte, tat es unglaublich gut, das lächelnde Gesicht des Magiers zu sehen.
Als Bella das Haus betrat, strich ihr die Wärme des Feuers über die ausgekühlte Haut und der Duft nach Kräutern, die an der Decke getrocknet wurden, stieg ihr in die Nase. An wenigen Dingen hafteten Erinnerungen so gut wie an den Seiten eines Buches oder einem bestimmten Duft.
Ein schwaches Lächeln huschte der Halbelfe über die Lippen, als Lorenz ihr aus dem Mantel half. Die dem Magier vertrauten Bewegungen waren langsamer als sonst, als täten Bella die Rippen weh und eine überraschende Kälte ging von ihrem Körper aus.
Mit der Bewegung, in der sie die Heilertasche abstellte, rutschte der linke Robenärmel aufwärts, offenbarte den Verband, der etwa an der Ellbogenbeuge aufhörte - alles darüber wäre einschränkend gewesen.
Dankend nahm Bella den Tee mit der rußgeschwärzten Hand entgegen, nachdem sie auch die Waldläuferin begrüßt hatte. Es tat gut, Mai wieder zu sehen, denn auch an sie, hatte die Halbelfe in den letzten Tagen und Nächten mehr als nur einmal gedacht.
Lorenz´ Musterung entging ihr nicht.
Was fand der Magier?
Sein Lehrling sah furchtbar müde aus, seiner Einschätzung entsprechend fast, als ginge es über ihren üblichen Kampf in unruhigen Nächten, nicht schlafen zu müssen, weit hinaus. War das Sorge in den ihr so vertrauten Zügen? Ein schwaches Lächeln huschte über Bellas Lippen, bei dem Gedanken, dass sie vermutlich, vielleicht durchaus ein wenig besorgt, erwartet worden war. Ein schönes Gefühl.
Die beiden weißen Strähnen, an denen der Blick des Magiers hängen blieb, begannen bei der Haarwurzel und reichten bis hinab zu den Spitzen, als wären sie nie anders gewachsen. Wenn er genau hinsah, wirkten auch die Augen der Halbelfe auf eine körperliche Art trüb, heller, doch nicht weniger aufmerksam, als wäre etwas damit passiert.

"Die Anderen, die du meinst, sind tot, Lorenz.", erwiderte Bella schlicht. "Ich bin froh, dass es euch beiden gut geht. Ich habe oft an diesen Ort gedacht.", fuhr sie fort und lächelte Mai über den Tisch hinweg ehrlich zu. Ein Ort des Friedens, so wie dieser, war ein großes Geschenk in Zeiten des Krieges.

"Was möchtest du genau wissen?", fragte die Halbelfe dann an den Magier gewandt. Mühsam nur widerstand sie dem Drang, den Ärmel tiefer über den Verband zu ziehen, als sein Blick daran hängen geblieben war.


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#4

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 03.01.2022 20:15
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Lorenz schien aufmerksamer zu sein als sonst. Schien jeder von Bellas Bewegungen kurz zu folgen.
Vermutlich wollte er sicher gehen, dass er eine zumindest grundsätzlich gesunde Bella im Besitz ihrer geistigen Kräfte hatte.
Sie war in Eridmea gewesen auf einer Expedition. Jeder von den Anwesenden wusste was das unter Umständen bedeuten konnte.

Der süße Duft des Tees, die herbe Note des Kaffees und der Rauch des Kamins bildeten ein eigenartig harmonisches olfaktorisches Gesamtbild. Es schien fast als würde dieser Geruch Frieden sugerieren und Ruhe.
Das leise Prasseln des Ofens untermalte dieses Gefühl.

Immer wieder wandte sich der Blick des Magiers auch zu Mai, welche ihre Kaffeetasse in beiden Händen hielt, als wolle sie sie daran wärmen obwohl es warm genug in der kleinen Kammer war.

Dann nickte Lorenz.

"Gut zu hören, dass sie es nicht schaffen werden auch anderen ähnliches anzutun."

Eine kurze Pause folgte.

"Nun es ist schwierig nach etwas zu fragen, wenn wir nicht wissen was eigentlich genau geschehen ist.
Mein letzter Stand ist, dass man ausziehen wollte um die Krone für den Heiligen zu bergen. Was immer man von dieser Idee auch halten mag."

Lorenz Tonfall ließ in diesem Moment nicht vermuten, ob er eine Meinung dazu hatte, oder wie diese lauten könnte.

"Es gibt gefühlt unendlich viele Bruchstücke und die Zeit hat nicht gerade gemacht, dass es einfacher geworden ist sie zu sortieren.
Also vielleicht wäre erstmal eine grobe Zusammenfassung der wichtigsten Dinge ein guter Anfang? An dem wir uns dann entlanghangeln können?"

Nun schwenkte sein Blick wieder zu Mai und ein Lächeln lag auf seinen Lippen, sein Gesichtsausdruck strahlte Ruhe und Entspannung aus.


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#5

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 03.01.2022 21:01
von Belladonna • 210 Beiträge

Da wurde es schon spannend.
Geistig vollständige Kräfte? Gewiss.
Vollständig magisch aufgeladen? In jedem Fall.
Grundsätzlich gesund? Schwierig.
Etwas schien Dinge verändert zu haben. Bellas Augen blickten nicht weniger aufmerksam, nicht weniger stur, trotzig, stark, humorvoll, leuchtend oder provokant als zuvor, es schien mehr der Fall zu sein, als wäre etwas geschehen, was sich nur schwer in Worte oder Erklärung beschreiben ließ. Ein wenig war es auch der Ausdruck zwischen all den Lorenz so vertrauten Emotionen, der stumm und starr von Dingen berichtete, die zu fassungslos machten, um sie "einfach" zu erzählen.
Die Hände, die den warmen Becher hielten, zitterten minimal, als mache es ihr Mühe, den dunklen Ton zu halten. Ärgerlich darüber, stellte Bella ihn behutsam auf den Tisch und legte die Hände auf den Oberschenkeln ab.

So verschieden das Aroma des Tees, der Duft des gemahlenen Kaffees und der Geruch des Feuers auch sein mochten; die Wärme, die der Halbelfe langsam in die kalten Glieder stieg, machte müde... doch müde, war im Augenblick keine Option. Dass die Gesellschaft in der sie sich befand ganz fraglos auf verschiedenen Ebenen eine gewisse Sicherheit bedeutete und sie sich dessen sehr bewusst war, machte die Arme, die buchstäblich so viel gezogen und getragen hatten, furchtbar schwer, als wären sie sich auf einmal bewusst, dass die akute Gefahr vorüber war.
Tatsächlich war die Kälte, die von Bella ausgegangen war, als der Magier ihr den Mantel abnahm, auch jetzt nicht von ihr gewichen.

Bella folgte den Worten des Hochmeisters und nickte dann. Die rußschwarze Hand öffnete eine der Gürteltaschen und zog einen kleinen, roten Beutel daraus hervor. "Es ist leichter, wenn ich es euch zeige, als es in Worte zu fassen und versehentlich etwas auszulassen.", erwiderte sie nur. Ein kurzes Zögern der üblich ablaufenden Bewegungen folgte, da die linke Hand verbunden, damit ein wenig eingeschränkt war.
Stirnrunzelnd nahm die Halbelfe den Beutel in die linke Hand, öffnete ihn und streute behutsam ein wenig roten Staub in die Fläche der rechten hinein, ehe sie sich von Lorenz wegneigte, dorthin, wo die freie Stelle am Tisch war, an der Mai ihr nicht gegenüber saß.
Sie holte Atem und blies den Staub zwischen ihnen in die Luft, wo er blieb und sich mit leisen Worten, geflüstert nur zwischen dem Knacken des Feuers, zu Bildern zu verformen begann:

Dunkel, finster gar war der Wald Rhyats, durch den mehrere Reisende so leise es ging, ihren Weg bahnten.
Vertraute Gesichter, wie das der Dame Elysaie, die vom breiten Hut noch versteckten Züge von St Mortem Tha, Sirias, halb verborgen unter dem üblichen weißen Turban, Nunkis, die besorgt die dunklen Augen auf die kleine Halbelfe richtete, die aufgrund des allzu schmalen Weges vor ihr durch die Finsternis lief, Eradan und Balian, wachsam den Weg hinter ihnen im Auge behaltend, Leandra, deren Anwesenheit Bella eigentlich nur gehört statt tatsächlich gesehen hatte, Rashid, irgendwo und nirgendwo immer mal wieder zwischen den Reisenden zu sehen, John und John, die den Weg vor ihnen im Auge behielten, huschten vor den Blicken der beiden Zuschauer vorbei.

Was Bella auch immer sonst sein mochte; ein Heiler, ein Bastard, ein angehender Magier... am Ende des Tages, war sie ein magisch begabter Barde.
Lorenz, der gewohnt war, die Halbelfe Magie wirken zu sehen, bemerkte unter Umständen, dass es sie weit mehr anstrengte, einen Zauber wie diesen zu wirken, als es sollte.

Schreie zerrissen die Luft, Befehle vertrauter Stimmen riefen nach Magiern, die mit Formeln und dem Zischen von Feuerbällen das Geknurre der Ghoule übertönten. Eine fremde Frau, blond, jung, erschien rechts im Bild, einen ihrer Feinde am Halse hängend, der die Zähne in ihrer Haut versengte.
Kurz darauf war von weiter weg der Gesang der Halbelfe zu hören, die scheinbar dafür sorgte, dass die Fremde nicht sterben musste.

"Wir wurden auf dem Weg schon von Ghoulen angegriffen.", berichtete Bella leise währenddessen. "Sie schienen unangenehm mächtig zu sein, unerwartet widerstandsfähig. Ihrem Gift Herr zu werden, war nicht leicht."

Der Wald verging in der Darstellung der kleinen Halbelfe und wich einem großen Gebäude mit mehreren Stockwerken. Lichter erhellten die Fenster, leise Stimmen wehten durch die Dunkelheit. Vor dem Haus, ein wenig rechts davon aufgestellt, war eine Art Statue zu sehen, grob dreieckig, aus schwarzem Stein geschlagen, eine Stehle, ein Monilith, ein.... Ding aus Stein.

"Der Heilige sagte, er habe die Krone dort gespürt... zumindest etwa in der Nähe.", fuhr die Halbelfe fort. "Zwei davon waren vergleichsweise leicht zu finden."

Eine junge Frau erschien; blond, nicht ganz schlank, die hellen Augen neugierig auf die beiden Zuschauer gerichtet. Ihre rechte Hand leuchtete rot und eine Art Netz zog sich von ihrem Hals bis tief ihre Schulter hinab, wo es unter den Kleidern verschwand. Neben ihr erschien, auf einem Tisch liegend, eine abgetrennte Hand, deren Haut trotz Dreck und Blut leuchtete, als hätte sie das Sonnenlicht in sich gebannt.

"Sie war... ist Heilerin und wurde von dem kleinen Splitter der Krone mit der Zeit kontrolliert. Die Hand wurde von Jemandem aus einem Steinbruch in der Nähe geborgen. Das dritte, größte Teil, war mit einem Ekimo verschmolzen.", die Halbelfe sah ihre Gastgeberin und den Magier fragend an. "Ich konnte damit nicht Recht etwas anfangen, kann mir aber vorstellen, dass ihr so einem Geschöpf schon begegnet seid?"


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#6

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 03.01.2022 23:47
von Mai • 1.039 Beiträge

Aus dem Halbschatten, in dem sie am Tisch saß, beobachtete Mai Bella. Sie starrte die Bardin nicht an, dennoch registrierte sie all die großen und kleinen Veränderungen. Die Waldläuferin war in einen weichen, gehäkelten Mantel gewickelt, deren Ärmel bis zu den ersten Knöcheln ihrer Finger reichten, in denen sie einen Becher mit dampfendem Kaffee halb vor ihr Gesicht hielt. Die Beine hatte sie, wie meist, mit auf dem Stuhl, ein Schienbein an die Tischkannte geklemmt. Ihre offenen Haare warfen einen weiteren Schatten.
Sie hatte die Halbelfe freundlich begrüßt, ihr aber dabei allen Raum gegeben, anzukommen.
Etwas hatte sich an ihr grundlegend verändert, mehr, als die sichtbaren weißen Strähnen, mehr, als die Müdigkeit, die Erschöpfung, nach dem, was sie durchgemacht haben musste.
Zehrer. Bella war in Rhyat gewesen. In Gedanken ging Mai die verschiedenen Arten durch, die sie kannte. Doch noch bevor sie zu einem Schluss gekommen war, begann Bella, Lorenz und ihr in Bildern zu zeigen, was sie erlebt hatte.

Sofort war Mais Aufmerksamkeit ganz und gar davon gefangen. Noch nie hatte sie gesehen, wie jemand etwas Erlebtes auf diese Art an andere weitergeben konnte. Bevor sie darüber staunen konnte, wurde sie von dem in den Bann gezogen, was sie sah.
Gebannt verfolgte sie die Szenen, die in der kleinen Hütte Gestalt annahmen, erkannte die vertrauten Personen, konnte den feuchten Wald, durch den sie sich bewegten beinahe riechen.
Als der erste Ghoul auftauchte, lehnte Mai sich leicht nach vorn, musterte diesen mit leicht verengten Augen, als würde sie etwas studieren. Auf Bellas Beschreibung dieser Untotenart nickte sie nur, als wären für sie diese Eigentschaften nicht überraschend.

Nachdem die Bilder im Raum verblasst waren, starrte Mai noch einen Moment gedankenverloren an die Stelle, an der eben noch die blonde Frau mit der leuchtenden Hand gestanden hatte. Dann stellte sie den Becher auf dem Tisch ab, sortierte ihre Beine um. Dabei änderte sie ihre Körperhaltung so, dass nun zu erkennen war, dass ihre Hände fast bis zu den Fingerspitzen von einem feinen Muster aus kupferfarbenen Schuppen überzogen waren. Ebenso die linke Seite ihres Gesichts war bedeckt davon. Als Mai Bella nun direkt ansah, reflektierte der Kerzenschein in ihren Augen. War ihre linke Pupille tatsächlich geschlitzt?

„Ekimmu. Sie sind ebenfalls Opfer von Ghoulbissen. Allerdings zeichnet sie ein besonders starker Wille aus, der dafür sorgt, dass sie trotz einer sehr langwierigen, qualvollen Verwandlung ihren Verstand bewahren können. Das bedeutet, dass sie weiterhin zu planvollem und zielgerichtetem Handeln fähig sind. Meist führen sie Ghoulhorden an. Man kann sie nicht ertränken, nicht vergiften. Sie brennen schlecht und Pfeile sind meist wirkungslos. Man muss das Gehirn zerstören oder ihnen den Kopf abschlagen.“

Mai hielt in ihrem Vortrag inne, schob den Kaffeebecher ein Stückchen vom Rand des Tisches in Richtung Mitte. Dann suchte sie Bellas Blick.

„Es tut mir leid, dass wir nicht da sein konnten.“ An ihrer Stimme war zu erkennen, wie aufrichtig sie das meinte.

Nun lehnte sie sich wieder auf ihrem Stuhl zurück, machte Bella Raum, ihre Gedanken zu sortieren und, wenn sie wollte, mit ihrem Bericht fortzufahren. Für Fragen wäre später noch Zeit.

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#7

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 12:43
von Belladonna • 210 Beiträge

So sehr sie sich auch darauf konzentrieren musste, das Bild zwischen ihnen aufrecht zu erhalten, so viel Kraft es auch kostete, es dazu zu bringen, sich zu bewegen, zu verändern, so gut fühlte es sich an, die Hände vertraute Arbeit tun zu lassen. Mais Aufmerksamkeit ihrem Spiel gegenüber, entlockte Bella ein ehrliches Lächeln; am Ende des Tages, taten sie alle gern das, was man einst aus Freude gelernt hatte.
Als die Waldläuferin sich nach vorn neigte, flüsterte die Halbelfe leise Worte.

Das Bild veränderte sich, das Gesicht eines Ghouls; blass, tot und doch nicht, die Zähne, abgebrochen wie sie waren, dennoch furchtbar scharf in dem einmal menschlichen Antlitz, näherte sich dem Zuschauer, um Mai einen längeren Blick darauf werfen zu lassen. Sie waren Monster, Scheusale, wie man sie schon oft auf Reisen traf. Der Fokus fuhr zurück, bis eine ganze Reihe der Feinde zu sehen war, zwei von ihnen mit einem roten Punkt auf der Stirn, deren Hände damit beschäftigt waren, Feuerbälle zu formen.

"Genau das war das Problem.", berichtete Bella auf Mais Vortrag den Ekimmu hin mit einem Nicken. "Ein solches Geschöpf schlief in einem magischen Käfig unter dem Dach, gesichert durch die Fallen und Hindernisse des einstigen Hausherrn Aurum. Er.... es?... sorgte dafür, dass die Ghoule jeden Morgen wieder entstanden, um uns anzugreifen; stärker, schneller, klüger als das Mal zuvor."

Es war, als habe eine Hand über die Schlachtreihe gewischt; Farben und Formen verschwammen, setzten sich neu zusammen, bis ein langer Gang entstand, an dessen Ende eine verschlossene Tür, davor zwei kleine Stehlen mit mehreren Siegeln zu sehen war. Grau war der Stein, rot das Wachs, schmutzig weiß der Stoff der daran hing. Nur die Worte, die darauf standen, waren nicht zu lesen, denn die Halbelfe hatte sie nie von Nahem gesehen. Die Sicht veränderte sich, es war, als läge der Betrachter am Boden und wurde an beiden Armen grob darüber geschliffen. Rechts im Bild erschienen die Stehlen, das Bild wackelte, als wehre sich Derjenige heftig - vergebens. Mehrere Ghoule packten zu und zerrten den Betrachter weiter, bis die Tür passiert worden war, von der rechts und links Banner im Innern hingen, auf denen auf weißem Grund eine schwarze Spirale zu sehen war.

Konzentriert betrachtete Bella die beiden Wappen, denn nur, weil sie ihr unbekannt gewesen waren, hieß das nicht, dass Mai und Lorenz, die dieses Land so viel besser kannten, als sie selbst, nichts damit anfangen konnten.
"Ich erinnere mich, dieses Zeichen in einer Vision am Hals eines Mannes gesehen zu haben.", fuhr sie fort, nachdenklich das Bild betrachtend, um einen möglichst genauen Bericht abzugeben. Ihre Hände begannen neben Lorenz beim Aufrechterhalten des Zaubers stärker zu zittern. "Der Ekimmu trug einen großen Splitter der Krone in sich. Einer der Diener des Fünften wollte diese große Macht nutzen, um auf Umwegen Azel, die als Göttin noch sehr jung ist, zu korrumpieren. Der Monolith, der....", Bella runzelte die Stirn "...kaputt war, da ihm Teile fehlten, sollte dafür genutzt werden."

Mit einer sanften, wie zufälligen Bewegung, lehnte die Halbelfe sich gegen die Stuhllehne zurück, öffnete die Arme ein wenig weiter, während sie sprach, wie, um sich das Atmen zu erleichtern. Der gewisse Ausdruck von Fassungslosigkeit in ihrem Blick war nicht gewichen, auch die Kälte, die von ihr ausging, war weiterhin spürbar, als sie den rechten Arm in Lorenz Richtung bewegte.
Kurz sah die Halbelfe ihn an, ehe sie seinem aufmerksamen Blick wieder auswich. "Hast du in den letzten Tagen gezaubert?" Die Frage, wenn auch aus dem Zusammenhang gerissen, schien wichtig zu sein.

Wieder einmal hätte Bella sehr, sehr unaufmerksam gewesen sein müssen, hätte sie geglaubt, dass Mai sie nicht ebenso besorgt ansah, wie umgekehrt.
Trotz des schlechten Augenlichts entgingen ihr die Veränderungen an ihrer Gastgeberin nicht. Mai hatte ihr erklärt, was mit ihr geschah, doch zu Bellas Bedauern, waren sie nicht dazu gekommen, dieses Gespräch zu vertiefen. Sie kannte die Waldläuferin nicht gut, doch die Bewegungen, wie die langen Beine mit auf den Stuhl zu nehmen, das Schienbein an die Kante zu klemmen, waren so wundervoll menschlich, dass sie in aller Selbstverständlichkeit zu ihr zu gehören schienen.
Ein sanftes, ehrliches Lächeln huschte über ihr Gesicht, ein leichtes Kopfschütteln folgte. "Es tut mir leid, dass ich nicht hier sein konnte.", erwiderte sie aufrichtig. "Geht es dir gut?"


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#8

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 13:41
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Aufmerksam lauschte der Magier den Worten von Bella und besah ihre Bilder.
Ein hübscher Zauber den sie da wirkte... und eine gute Idee. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass sie wusste was dieser Zauber auch so alles anrichten konnte.

"Die Monolithen... oder besser gesagt Obelisken von denen du sprichst kennen wir bereits.
Wir waren auf der Magierinsel, auf der dieses Gerät stand und gestohlen wurde."

Nun wirkte Lorenz sichtlich unzufrieden.

"Leider haben wir es nicht geschafft unsere Nachforschungen zu beenden, was dieses Ding anging, da wir leider frühzeitig abreisen mussten.

Ich weiß nur so viel, dass es auf Racnoree,der zentralen der Magierinseln, stand um dort von den Magiern der Insel erforscht und erweitert zu werden.
Zum Zeitpunkt des Diebstahls bestand es aus fünf bereits installierten Monolithen, die den Magiern die Kommunikation und eingeschränktes Reisen unter den fixierten erlaubte.
Drei weitere waren noch lose und wurden ebenfalls gestohlen.
Die anderen wurden wohl in Sicherheit gebracht und müssten noch auf den Magierinseln sein.

Grundsätzlich beruht dieses Modell auf dem alten Kraftmodell Eridmeas mit seinen 18 Monolithen. Jeder einzelne mit einer Korrespondenz zu einem spezifischen Gott.
Diese Monolithen sind bedeutend größer und natürlich viel viel älter als die im Modell...

Nach dem Axtfall sind sechs davon wieder mit dem Astralraum verbunden.
Sechs davon, die von Pathor, Hannumak, Eschgal, Candra, Anuket und Libos waren auf dem Modell und der Grundplatte bereits installiert, analog zu denen von denen man weiß das sie wieder funktionieren oder wo sie sich befinden.

Wichtig wäre vielleicht noch zu wissen, dass die losen Monolithen die von den Göttern Inesh, Azroth und wahrscheinlich Tanesh sind."

Das sollte erstmal an Informationen genügen um die beiden anderen auf den Stand der Dinge zu bringen.

"Dein Bericht beweist nun aber zumindest, dass der FEIND im Besitz der Konstruktion ist. Das war bisher nur eine Vermutung."

Dann fiel ihm die Frage von Bella wieder ein und er schüttelte den Kopf, ehe er sie fragend ansah.

"Nein, warum fragst du?


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#9

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 14:23
von Belladonna • 210 Beiträge

Aufmerksam lauschte Bella Lorenz Erzählungen. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. "Alles nützliche Dinge, die zu wissen sehr gut gewesen wären.", erwiderte sie ihm und nickte. "Es dauerte, glaube ich, zwei oder drei Tage, bis wir einen Teil von dem, was du erzählt hast, heraus gefunden hatten." Sie runzelte die Stirn. "Es hieß, das verhindert werden sollte, dass die Devaren sie nutzen würden. Kannst du mir darüber etwas erzählen?"

Auf die Gegenfrage, ob der Hochmeister Magie gewirkt hatte, verzog die Halbelfe kurz das Gesicht. "Erinnerst du dich an deine Warnung, dass Eridmeas Astralraum gefährlich, heiß und unberechenbar ist, angefüllt von Dingen, die dich essen wollen?" Sie nickte kurz gereizt wirkend. "War so. War nicht schön."

Zur Erklärung hob sie beide Hände, bewegte sie in einer kurzen Abfolge, bis das Bild sich erneut veränderte...

Eridmeas Astralraum, dem Magier vermutlich schmerzlich bekannt, zeigte sich in glühender Lava. Beinahe war die Hitze spürbar, fast war der beißende Geruch von verbrennendem Fleisch auf der Zunge, ganz hinten am Gaumen, zu schmecken. Ein Weg die Lava entlang war zu sehen, drei Steinplatten, auf einer davon, war ein silbernes Armband zu finden, lagen im Fluss. Rechts, den Weg entlang, auf schwarzem Stein, fand sich ein abgerissener Kopf, dessen tote Augen zu ihnen hinauf sahen. Nur wenige Schritte von ihnen entfernt, die Beine in der Lava endend, fanden sich... Kreaturen, denn es gab kein besseres Wort dafür...deren schreckliche Krallen sich nach den Besuchern ausstreckten, Gesicht und Oberkörper nur aus Zähnen bestehend. Chaos war das richtige Wort für ihre Umgebung, denn die Magie, das Gefühl von Macht, folgte keiner bestimmten Abfolge, ließ sich nicht greifen oder sortieren.

"Wir wurden je zu dritt hinein gesogen.", berichtete Bella weiter. "Es gab keine Abfolge oder eine logische Erklärung, wen es traf oder zu welcher Uhrzeit. Azroth war an diesem Ort der nächst ansprechbare Gott." Sie schmunzelte ein wenig. "Ein Magier mit Namen Mofess, sein Lehrling und ich wurden hinein gezogen."

Benannter Magier, Mofess, bekleidet mit einer weiten, weißen Robe und einem Kopfputz aus Blau und Gold, den eine Schlange zierte, bewegte sich unbeholfen über die Steinplatten, veränderte ihre Lage mit eher ungeschickten Würfen über die Lava, so dass sein Lehrling und auch die kleine Halbelfe am Anfang des Weges mehr als einmal glaubten, er würde hinein stürzen. Die Sicht des Zuschauers bewegte sich kurz, ein Blick zur Seite, auf die Gürteltasche, die ein vertrautes, grünes Buch zu Tage förderte, ehe Bella sich scheinbar auf die Knie niederließ, beide Hände in den heißen Boden vor dem glühenden Fluss schob und zu singen begann.

Sie zuckte mit den Schultern. "Ich konnte nicht zusehen, wie der schlechteste Magister einer Akademie, den ich je gesehen hatte, in den Flammen verging, also sang ich den Feuersänger für Azroth und bat ihn, Mofess während seines Weges vor dem Feuer zu beschützen. Scheinbar hielt er es für einen angemessenen Preis."

Der Magier, dessen Robe eben noch Flammen gefangen hatte, hörte auf zu brennen und erhob sich langsam auf den steinernen Platten, auch das Chaos um ihn herum schien für die Dauer, in der Bella Strophe um Strophe mit Höhen und Tiefen, Kraft und Betonung rezitierte, in sortierten Bahnen zu laufen.

"Aufgrund der Siegel vor dem Raum mit dem Ekimmu konnten die Magier nicht vernünftig arbeiten. Es gab eine Chance von eins zu drei, dass der jeweilige Zauber funktionieren würde oder eben nicht. Ich wusste nicht, wie weit sich dieses Ärgernis erstreckte, daher die Frage."


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#10

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 18:54
von Mai • 1.039 Beiträge

Gleich, wie oft Bella ihre bewegten Bilder erneut entstehen ließ, sie verloren für Mai nichts von ihrer Faszination. Sie wirkten, als müsste sie nur vom Tisch aufstehen, die wenigen Schritte überwinden und könnte dort hinein treten, in die Vergangenheit, an der sie nicht hatte teilhaben können und die sie nicht mehr verändern konnte.

Hatte sie dieses Symbol, die Spirale schon einmal gesehen? Sie war sich nicht sicher. Als sie sich damals mit Lorenz auf einer der Magierinseln befunden und den Raub der Monolithen beinahe miterlebt hatten, hatte Mai sich um die Spuren des Überfalls und nicht um die magietheoretischen Dinge gekümmert. Selbst, wenn sie jetzt daran zurück dachte, bekam sie nur noch Bruchstücke von dem zusammen, über das gesprochen worden war. Zu sehr hatte sie sich auf ihre eigene Aufgabe konzentriert. Wie sich nun herausstellte, konnte sich der Magier weitaus besser erinnern und fasste sein Wissen für die beiden Frauen zusammen.

Nicht mehr gebannt von Bellas Zauber, betrachtete Mai die Halbelfe, die sichtbar mit sich kämpfte, um die Kontrolle zu behalten. Sie schien Schmerzen zu haben, am Rande ihrer Kraftreserven zu sein.
Bevor sie danach fragen konnte, wendete sich das Gespräch dem Astralraum zu. Erneut flackerten Bilder in der Hütte auf, glühende Lavaströme schienen den Boden zu bedecken, die Hitze fast zu spüren, der Geruch ein Geschmack auf der Zunge. Wenn es dort gerade so aussah… beinahe hätte Mai aufgelacht. Stattdessen schloss sie für einen Moment die Augen, scheinbar in ein kurzes inneres Gespräch vertieft. Als sie wieder aufsah, warf sie Lorenz einen Blick zu, der für ein paar Herzschläge an dem seinen hängen blieb. Deshalb also.

Während Mai beobachtete, wie Bella ihre Hände in den glühenden Boden hielt, sah sie von der magischen Geschichte, zu der Bardin, dem Verband, dem Ruß. Von dort zu den weißen Strähnen. Womöglich war ihre erste Annahme falsch gewesen. Aber noch waren sie auch nicht am Ende des Berichts, das hier war nur ein Abschnitt.

Nun wussten sie also sicher, dass die Monolithen, beziehungsweise das Modell in die Hände des Feindes gefallen waren. Leider wenig überraschend. Ghoule und ein Ekimmu waren in Rhyat wenig überraschend. Das Bruchstück der Krone musste den Ekimmu derart verändert haben, dass er die Horde auch aus der Entfernung hatte kontrollieren können. So war es nun mal in Eridmea. Wann immer man glaubte, etwas verstanden zu haben, änderten sich die Umstände. Und das Gesicht des Feindes.

Sie stand auf, füllte Tee und Kaffee nach. Das Geräusch, wie die heißen Flüssigkeiten in die Becher flossen, war für einen Moment das einzige Geräusch. Dampf stieg aus den drei Gefäßen auf, der senkrecht nach oben stieg.

Das erneute Zittern von Bellas Händen war Mai nicht entgangen. Doch sie selbst war keine Heilerin. Nicht im eigentlichen Sinne. Alles was sie gerade anbieten konnte, war ein heißer Tee, ein warmer Ofen und Schutz vor dem Wetter. Etwas an den Augen der Halbelfe hatte sich grundlegend verändert und die Art, wie sie hin und wieder blinzelte, ließ vermuten, dass sie weniger gut sah. Das konnte an der Erschöpfung liegen – oder an etwas anderem.
Zuzugeben, dass es ihr nicht gut ging, würde auch bedeuten, etwas von ihrer Kontrolle abzugeben. Und Mai erinnerte sich sehr genau an ihr letztes Gespräch. Würde die Andere nach Hilfe fragen, wenn sie diese benötigte?
Erneut sah Mai von ihrem Gast zu Lorenz. Er kannte sie weitaus besser, kannte sich besser mit Menschen aus.
Da der Bericht bisher eher chronologisch gewesen war, schien es nichts zu geben, worauf sie jetzt sofort reagieren mussten. Also wäre auch Zeit, sich erst um andere Bedürfnisse zu kümmern.

Mai schwieg, gab Raum, eine Entscheidung zu treffen, deren Richtung sie nicht mit einer Frage beeinflussen wollte.
Stattdessem nahm sie ihren Kaffee, nippte daran.

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#11

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 19:43
von Belladonna • 210 Beiträge

Ganz gleich, ob Heiler oder angehender Magier; der Barde in Bella erfreute sich sehr an Mais Faszination ihrem Wirken gegenüber. Am Ende des Tages, war jeder Barde arrogant seinem Können gegenüber, musste es sein.
Warum?
Wenn die Halbelfe in einer vollen Taverne auf einen Tisch stieg, um zu singen und nicht der festen Überzeugung war, dass man eine Nadel würde fallen hören können, wenn sie zu singen begann und jeder Mann, jede Frau und jedes Kind sich überrascht ob dem Klang ihrer Stimme zu ihr umdrehten, konnte sie es gleich bleiben lassen, denn dann würde niemand zuhören.
Derselbe Gedankengang hatte vor gar nicht allzu langer Zeit einen Barden, der lebendig ins Jenseits geraten war, dazu gebracht, Bellas Ruf zu folgen und zwischen Mortem, Lexi und den MallenDôri im von Leandra gezogenen Ritualkreis zu erscheinen. Noch während die Halbelfe damals sang, ihn erst auf sich aufmerksam machte und ihn danach zu einem Bardenwettstreit herausforderte, um ganz sicher zu sein, dass er den Weg ins Hier und Jetzt gehen würde, hatte sie mehrfach geglaubt, ihr müsse vor Aufregung das Herz stehen bleiben.
Nie zuvor und wahrscheinlich auch nie wieder danach, hatte sie an diesem Abend einen Bardenwettstreit so gern verloren, wie diesen.

Wenn Mai genauer hinsah, wirkte der Ruß an Bellas rechter Hand, als habe sie Feuer darin beschworen, um es möglicherweise nach einem Ghoul zu werfen. Die Spuren verschwanden den Ärmel hinauf. Weitere Annahmen der Waldläuferin waren vollkommen richtig; die Halbelfe war erschöpft auf eine Art, die über einen Feldzug weit hinausging, jede Bewegung sprach von Anstrengung und Schmerzen, doch ihnen beiden von Dingen zu erzählen, ehe sie auch nur eines davon vergaß, war zu wichtig, um dem nachzugeben.

Mit einem dankbaren Lächeln Mai gegenüber, nahm Bella den Becher entgegen und schmiegte die Wange daran. Die kurze Berührung, das Streifen der Fingerspitzen, war kalt, trotz der Wärme des Raumes und dem zuvor getrunkenen Tee.

"Etwa am dritten Abend, glaube ich, fiel uns der erste Splitter der Krone in die Hände."

Sie stellte den Becher weg, sah zu den herauf beschworenen Illusionen hinauf und bewegte die Finger der rechten Hand, als dirigiere sie ein Orchester.

Ein vergleichsweise kleiner Raum entstand. Rechts im Bild, am Ende, war eine Art Pfeiler zu sehen, gerade hüfthoch, auf dem eine tatsächliche Krone zu sehen war. Darum herum angeordnet, höher als der eigentliche Schmuck, waren acht leere Plattformen zu sehen, die scheinbar darauf warteten, dass jemand dieselbe Anzahl an Dingen brachte und darauf ablegte.
Links waren mehrere Sitzgelegenheiten zu sehen, ein Tisch, weiß bezogen, um den der Waldläuferin und dem Magier bekannte Personen saßen; Mortem am Kopfende, vor dem die abgehackte Hand lag, die die beiden Zuschauer am Anfang des Berichts gesehen hatten, umgeben von mehreren Salzkristallen. Auf einem davon lag Mortems Siegel. Rechts am nächsten von ihm, saß Bella, das Haar zu diesem Zeitpunkt noch fuchsrot, neben ihr Siria, daneben Leandra und links von dem Vampir die Dame Elysaie. Sie alle wirkten abgekämpft, doch gesund und einigermaßen wohlauf.
Mortem neigte sich über die abgetrennte Hand, schlug die Zähne hinein und Licht, Macht durchströmte den Raum. Selbst Diejenigen, die keine astrale Sicht auf den Vampir gewirkt hatten, konnten nicht umhin zu spüren, wie seine Ausstrahlung sich veränderte, verstärkte.
Eine Sekunde, eine zweite vielleicht und die Hände schlossen sich um die Salzkristalle, so fest, dass einer davon darunter brach. Unangenehm laut erklang das Geräusch in einer Stille, in der niemand zu atmen wagte. Mit einem nassen Geräusch, wie wenn Seide riss, fiel die Hand auf die Tischplatte zurück und langsam, so träge, dass es schrecklich war, hob der Vampir den Kopf und blickte dem Betrachter, Bella, in die Augen. Alle schienen den Atem anzuhalten, niemand rührte einen Muskel und volle fünf Augenblicke lang, war kaum mehr zu spüren, als der rasende Herzschlag der Halbelfe, die sich allzu gut daran erinnerte, wie es war, wenn Mortems Zähne ihr den Hals aufrissen.

"Es dauerte noch ein paar Minuten, bis er sich sozusagen gefangen hatte.", berichtete Bella dann. "Am Tag darauf, wandelte er am Morgen und beschrieb ein Gefühl, als wäre er an zwei Orten zur selben Zeit."


Fraktion Singen und Klatschen?
Sag das noch mal, wenn du gerade verblutest ;)

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#12

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 22:54
von Mai • 1.039 Beiträge

Mit einem dankbaren Lächeln, dass sogar Mai als etwas verstand, das mehr, als den Tee betraf, nahm Bella den Becher entgegen. Ein leichtes, langsames Nicken. Also erst der Bericht, dann alles andere.

Dennoch zerrte etwas an Mais Aufmerksamkeit. Die Hand, die das Getränk entgegen genommen hatte, war in diesem Moment ruhig gewesen, hatte sicher zugegriffen. Etwas stimmte trotzdem nicht. Der Verband, der Ruß, die weißen Strähnen, etwas in dem Ausdruck der Halbelfe. Ihre Körperhaltung. Da war noch etwas. Etwas kratzte unangenehm am Rande ihrer Wahrnehmung. Etwas, dass ihr entgangen war. Oder fast entgangen war, sich aber nicht greifen ließ. Eben war es erneut spürbar gewesen. Die Bewegung, die Hand, die Finger, die nach dem Tongefäß griffen.
Mai zwang sich, sich auf ihre eigene Körperwahrnehmung zu besinnen. Hoffte darauf, dass hier der Schlüssel zu dem lag, was ihr entging.
Bei der Übergabe des Getränks hatten sich ihre Fingerspitzen kurz berührt. Kalt waren die der Bardin über die ihren gestriffen. Das war es! Kälte. Von Bella ging eine unnatürliche Kälte aus. Auch nachdem sie nun schon eine ganze Weile hier im Warmen gesessen hatte. Mai war es nicht aufgefallen, da sie selbst noch immer ungewöhnlich viel Wärme abstrahlte. Sie selbst trug den Wollmantel nur, weil er gemütlich war, eigentlich war ihr zu warm. Daher hatte sie die Kälte an Bella nicht bemerkt. Alles schien kälter zu sein, als sie selbst. Doch die Halbelfe war zu kalt.
Erneut musterte Mai ihr Gegenüber, nahm den gedanklichen Faden wieder auf, jemand könnte doch von ihr gezehrt haben. Nicht Mortem, sondern jemand aus Rhyat. Eine Kalte vielleicht? Mai kramte in ihrem Gedächtnis. Kalte entstanden durch erfrieren oder ertrinken im eisigen Wasser. Wenn sie sich recht erinnerte, gab es nur Frauen. Die von Männern zehrten. Aber die Berichte, die sie darüber gelesen hatte, waren unvollständig und nicht in Rhyat verfasst worden. In Rhyatnaar hatte man um das Thema einen Bogen gemacht.
Innerlich seufzte Mai, ohne dass man ihrem Ausdruck etwas ansehen konnte. Letztendlich gab es alle möglichen Zehrer. Solche, die Blut brauchten, oder von Lebenszeit zehrten. Von Angst oder anderen Emotionen.

Bevor sie sich weiter in ihren Spekulationen verlieren konnte, riss eine neue Vorführung von Bellas Bericht Mai aus ihren Grübeleien.

Aufmerksam betrachtete sie die Personen, die um den Tisch saßen, erkannte die Hand von vorhin wieder, die dort lag. Das war also der erste Splitter der Krone.
Mai beobachtete, wie Mortem die Fänge in das tote Fleisch geschlagen hatte, wie er die Kraft in sich aufnahm, ohne, dass sich eine Emotion in ihrem Gesicht, ihrer Haltung widergespiegelt hätte. Gelassen wartete sie die Zeit ab, in der die Anwesenden in der Illusion gespannt den Atem angehalten hatten. Nur der Herzschlag der Halbelfe gab der verstreichenden Zeit einen wilden Takt, bis der Vampir sich wieder ganz unter Kontrolle hatte.

So hatte es begonnen. Bella beschrieb die ersten Veränderungen, die sich daraufhin eingestellt hatten. Erstaunt sah sie auf.
„Er wandelte am Morgen? Du meinst im Tageslicht?“

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#13

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 04.01.2022 23:28
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Dieser Frage hatte Lorenz erstmal nichts hinzuzufügen. Mais Blick hatte der Magier aufgefangen und verständnisvoll genickt. Nun ergab langsam aber sicher alles einen Sinn.
Warum sie hier festgesessen hatten, statt einfach durch den Astralraum hinter den anderen her zu reisen. Aber Ilias hatte sie davon abgehalten. Ebenso wie das Meer...

Ruhig verfolgte er die Bilder, welche Bella kunstvoll in den Raum zeichnete. Es kostete sie Kraft, aber sie schien gut darin geworden zu sein.

Auch ihm war ihre Veränderung an Bella aufgefallen. Auch er hatte beim hereinkommen kurz die Kälte gespürt, die sie ausstrahlte und die nicht von der Kühle außerhalb der Hütte kommen konnte. Doch fürs Erste schien es nicht als wäre es ihre Priorität sich darum zu kümmern...
Bella hatte ihren Stolz, das wusste er und erst wenn sie wirklich Hilfe brauchte, würde sie fragen. Zumindest noch eine Weile würde er ihr geben, ehe er ihr die ein oder andere unangenehme Frage stellen würde. Das war eine der Sachen die ihre neue Abmachung mit sich brachte.
Aber nun sollte erst einmal ankommen. Das Erlebte verarbeiten. Ruhe finden.

So eine Reise in Rhyat war kein Zuckerschlecken. Und wenn sie wirklich von Ghulen verschleppt worden war, wer wusste wer oder was sonst noch Dinge mit ihr angestellt hatten. Wenn er an die Zeit auf Rhyat zurückdachte und was und wem er dort begegnet war. Nichts davon konnte man wollen.
Der Gottesdienst, die Skuldren, Zehrer. Ein kurzer Schauer durchzog Lorenz als er an sein Gespräch mit Alexander zurückdachte. Es fühlte sich an als wäre es eine Ewigkeit her und gerade Gestern gewesen.

Dann fiel sein Blick erneut auf die Bilder die Belladonna ihnen zeigte. Die letzte Szene schien den Magier nur wenig zu beunruhigen, wohl aber die Tatsache, dass der Heilige offenbar im Licht gewandelt war... wieder einmal.
Es waren einige Fragen die den Magier umtrieben, aber es hatte keinen Sinn diese zu erörtern ehe Bellas Bericht am Ende war.

Eine weitere Frage drängte sich ihm dann doch noch auf.

"Und was hatte es mit seinem Gefühl auf sich?"


zuletzt bearbeitet 04.01.2022 23:31 | nach oben springen

#14

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 05.01.2022 11:12
von Belladonna • 210 Beiträge

Die kleine Halbelfe nickte.
"Er wandelte bei Tag, ja.", bestätigte sie die Frage der Waldläuferin. "Augenblick."

Nachdenklich schien sie in den Erinnerungen, die sie den beiden zeigte, nach etwas zu suchen. Diesmal brauchte es einen Moment Zeit, bis die Bilder sich scharf stellten, als zerrte es an Bellas Kräften - doch was konnte wichtiger sein, als zwei Wesen, die weit mehr über dieses Land wussten, als die Halbelfe je erfahren würde, einen genauen Bericht zu geben, der hilfreich sein könnte?

Die Sonne, halb verborgen vom Nebel, war über Bergen und Wiesen zu sehen. Augenscheinlich war die Heilerin auf dem Weg nach Draußen, als sie fast mit dem Heiligen zusammen stieß. Überrascht blieb sie stehen.
"Guten... Morgen? Du bist wach geworden?"
Der Vampir lächelte sie an, auf die übliche Art und Weise, die kaum mehr als ein Verziehen der Mundwinkel war. "Ich glaube nicht, dass ich wach geworden bin, Bella. Scheinbar liege ich auch noch in meinem Sarg."

"Er war noch eine Zeit lang am oberen Fenster seines Zimmers zu sehen.", berichtete sie weiter. "Was uns vor das Problem stellte, dass der Ekimmu, der ein weit größeres Stück der Krone in sich trug, vermutlich auch an zwei Orten zur selben Zeit sein konnte, bzw. unter Umständen wissen konnte, was wir planten, da nun auch Mortem einen Splitter in sich trug." Sie verzog das Gesicht. "Ich muss gestehen, nicht undankbar gewesen zu sein, dass meine Aufgabe sich anderweitig belief, als mich mit dem Ritual zu beschäftigen."


Fraktion Singen und Klatschen?
Sag das noch mal, wenn du gerade verblutest ;)

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#15

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 05.01.2022 13:10
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Für einen kurzen Moment schien Lorenz Blick sich ins Unendliche zu verlieren, nachdem er die letzten Bilder gesehen hatte.
Ihn in diesem Moment nur nachdenklich zu nennen, wäre untertrieben gewesen. Verschiedenste Gedanken und Ansätze schienen ihn umzutreiben.
Dann klärte sich sein Blick wieder und er schien auch diese Gedanken fürs Erste für sich behalten zu wollen.
Vielleicht waren einige davon am Ende von Bellas Bericht schon beantwortet. Auf die ein oder die andere Weise...
Ein vielsagender Blick in Richtung Mai, schien viel mehr zu sagen als Worte es je könnten. Sorge lag in diesem Blick.

Auch bemerkte er, wie die Bilder zu schaffen für Bella immer anstrengender wurde, was ihn dazu veranlasste seinen Blick nun ihr zuzuwenden. Ein beunruhigtes Lächeln war auf seinen Lippen zu erkennen. Ob diese Unruhe von Bellas Zustand oder aber ihrem Bericht herrührte, war dabei nicht auszumachen.

"Vielleicht machst du mal mit der Astralprojektion eine kurze Pause und versuchst die Dinge, welche du nicht unbedingt zeigen musst, in Worte zu fassen.
Astralprojektionen sind unfassbar anstrengend und wenn du nicht heimlich jahrelang geübt hast, empfiehlt es sich nicht damit zu übertreiben."

Dann blickte er Bella fragend an.

"Welches Ritual? Ich glaube du hast einen relevanten Teil ausgelassen?
Wieviele Splitter habt ihr denn nun letztlich zusammenbekommen und wie?
Habt ihr die Krone mit diesem Ritual zusammengesetzt und falls ja, was ist mit der Krone passiert?

Vielleicht können wir versuchen erst einmal das Thema Krone komplett abzuschließen und befassen uns dann mit den Geschichten darum herum? Ich habe die Befürchtung, dass es sonst schwierig für uns wird zu folgen.
Soweit ich mich nicht irre, war die Krone zu bergen ja der Anlass der Expedition."

Lorenz Stimme war ruhig und sachlich wie sie es gewohnt war.


zuletzt bearbeitet 05.01.2022 13:16 | nach oben springen


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