#46

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 19:38
von Mai • 1.039 Beiträge

Grübelnd sah Mai sich in der Hütte um, ließ ihren Blick über die alten und neuen Gegenstände gleiten. Sie hatte Lorenz – und auch sonst niemandem – nie erzählt, wer hier ursprünglich gelebt hatte und wie sie dazu gekommen war. Vermutlich würde es ihm nicht gefallen. Ein winziges Kopfschütteln streifte diese Gedanken ab. Das hier war etwas, das sie ganz und gar nicht gut konnte. Etwas, das ihr Unbehagen bereitete, ein inneres Kratzen, an das sie nicht heran kam. Keine Kontrolle konnte dieses Gefühl unterbinden.

„Bisher habe ich Ilias überlisten müssen, wenn ich seine Hilfe für andere brauchte.“
Mai sah Lorenz nachdenklich an, sicher, er würde sich nur zu gut an diese List erinnern.
„Du weißt, was Mortem davon hält – und vermutlich hat er Recht damit, sehr eindringlich davor zu warnen.“ Noch einen Moment blieb ihr Blick an dem Magier hängen, bevor sie auf ihre Hände sah.
„Das ist aber auch nicht die Art Hilfe, die wir gerade brauchen.
Ilias kann nicht hören was wir sprechen, nicht verstehen, was ich sage. Er nimmt nichts von außerhalb war. Keine Geräusche oder Gerüche. Alles was zu ihm reicht, ist meine Stimmung und das, was unmittelbar den Körper betrifft.“

Nachdenklich musterte sie Bella, betrachtete die weißen Strähnen im fuchsroten Haar, den voll Blut gesogenen Verband, die Tropfen, die unbemerkt dunkle Flecken auf dem Holz des Tisches hinterlassen hatten. Noch schimmerten sie feucht, würden bald zu Schatten, die mit der Maserung ein neues Muster ergeben würden.

„Du kannst dich ihm also leider nicht vorstellen.“ sagte Mai in sanftem Tonfall zu der Halbelfe. „Er kann deine Musik, deine Stimme nicht hören. Wenn er mich schützt, dann indem er meine Seele mit der seinen einhüllt. Damit trennt er mich von der Realität.“

Etwas kitzelte Mai im Hinterkopf. Etwas, das sie eben noch selbst gesagt hatte. Sie schob die inneren Bilder von dem Ort, den Ilias schuf und dem, was geschehen konnte, wenn dieser von anderen betreten wurde, beiseite. Ganz bewußt sah sie Lorenz gerade nicht an. Das war hier nicht das Thema. Ilias Verbindung zur Außenwelt war sie selbst. Der Körper war der Schlüssel.

Wieder sah Mai zu der Bardin. Kälte. Eine unnatürliche Kälte, die nicht nur verhinderte, dass der anderen wieder warm wurde, sondern die auch abstrahlte.
Ein leichtes Stirnrunzeln, nicht unwillkürlich, eine Einleitung zu dem, was sie nun sagen wollte.
„Ich habe keine Ahnung, ob das irgendwas bringt.“
Zögernd streckte Mai ihren linken Arm aus, legte ihn lang vor sich auf den Tisch, die Hand nach oben geöffnet. Eine an Bella gerichtete Einladung. Der Ärmel ihres Mantels war dabei etwas nach oben gerutscht, offenbarte weitere Schupen, die sich weiter hinauf wanden.
„Vielleicht kann er diese sonderbare Kälte spüren, die von dir ausgeht, wenn du meine Hand berührst. Keine Ahnung, wie er darauf reagieren wird. Und ich hoffe, Lorenz ist bereit, uns beide zu löschen.“
Der Tonfall war eine Spur zu ernst, als dass der letzte Satz nur als Scherz zur Aufmunterung gemeint sein konnte.


zuletzt bearbeitet 06.01.2022 19:40 | nach oben springen

#47

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 20:39
von Belladonna • 210 Beiträge

Und da waren wir wieder - Kontrollverlust.
Vermutlich einer der Gründe, aus denen Lorenz sie beide zusammen gebracht hatte, vielleicht waren es auch andere gewesen, die der Halbelfe in diesem Augenblick nicht bewusst sein konnten. Die Zeit würde es mit sich bringen.
Aufmerksam lauschte Bella Mais Erzählungen, die Stirn leicht gerunzelt, die Augen konzentriert ein wenig verengt.
"Das erklärt das Feuer, wenn jemand versucht, dich im verletzten Zustand magisch zu heilen.", erwiderte sie kurz. "Könnte ich nur Schmerzen oder Angst und darauf einwirkende Magie empfinden, würde ich mich auch verteidigen."
Erklärungen waren ja wirklich etwas Schönes - und nebenbei bemerkt ein Drittel ihres Berufs, neben Beobachtung und Fingerfertigkeit.

Bella spürte die Müdigkeit ihres Körpers, die Kälte, die die vollkommene Erschöpfung begleitete. Die brennende Taubheit, die eigentlich an der frischen Wunde am linken Arm zu spüren sein sollte, war kaum mehr als ein Puckern, begleitet von jedem Pulsschlag.
Löschen.
Noch vor weniger als einem Jahr hätte die Halbelfe gelacht; jetzt nicht mehr. Irgendwann lernte man, Dinge hinzunehmen, wenn sie jemand sagte, der wusste, wovon er sprach.
Da Mai ihr die linke Hand reichte, wäre ebenfalls links die logische Wahl gewesen. Erst jetzt bemerkte Bella jedoch das frische Blut und legte die verbundene Hand in den Schoß - kein Grund, der Waldläuferin den hübschen Wollmantel zu ruinieren. Behutsam streckte sie die Rechte aus, hob den Blick und sah Mai in die unterschiedlichen Augen.
"Ich habe so ungefähr tausend Fragen.", sagte sie mit einem Lächeln. "Ich hoffe, einen Bruchteil davon zu einem späteren Zeitpunkt stellen zu können."
Dann ergriff sie die dargebotene Hand.


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#48

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 22:38
von Mai • 1.039 Beiträge

Mai hatte genickt. „Ja, er wertet es als Angriff und verteidigt sich. Daher das Feuer.“ Die Heilerin hatte mit genügend Informationen rasch die richtigen Schlüsse gezogen. Auch das war eines der Dinge, die Mai nicht kontrollieren konnte. Ein Thema für ein anderes Mal.

Die Waldläuferin beobachtete, wie Bella ihr zunächst auch die linke reichen wollte, bei dem Anblick des frischen Blutes sich jedoch für die andere Hand entschied. Beinahe hätte sie gelächelt. Wenn überall Blut ist, ist Blut alles, was bleibt. Es gehörte zum Leben dazu. Und zum Tod. Es hatte Macht. Vor allem war es nichts, wovor sie zurückschrecken würde.
Eine Hand war so gut wie die andere. Ihre eigene Entscheidung hatte sie aus reinem Instinkt getroffen.
Mit einem Blick zu Lorenz vergewisserte sie sich, dass er bereit war einzugreifen, wenn etwas schief laufen sollte. Der Magier nickte knapp. Gut.

Ein Teil von Mai zog sich in ihr Inneres zurück. Es lag ihr nicht, anderen nah zu kommen. Dazu das Gefühl, dass nun etwas von ihr erwartet wurde, von dem sie annahm, es nicht leisten zu können. Erwartungen waren etwas, dass ihr ebenso Unbehagen bereitete, wie andere an sich heran zu lassen – oder in den Raum eines anderen einzudringen. Nichts davon war ihr anzusehen. Zu gut hatte sie gelernt, zu funktionieren, wenn es darauf ankam. So hatte sie sich, ihre Körpersprache, den Ausdruck in ihrem Gesicht vollkommen unter Kontrolle.

Ruhig sah Mai zu, wie die Andere vorsichtig über den Tisch griff. Tausend Fragen. Ja, damit war sie nicht allein. Vielleicht würden sie bald ein paar davon beantworten können.
Sie hatte keine Ahnung, was passieren würde – oder konnte. Ob Ilias überhaupt reagieren würde.

Finger berührten Finger, Halbelfe berührte Halbelfe, zörgernd, tastend, fragend. Ein federleichter Kontakt. Sie sahen einander in die Augen. Die einen von Erfahrungen, Erschöpfung, Angst und der Begegnung mit dem Tod getrübt, die anderen so unterschiedlich im Licht funkelnd, das eine hell, das andere dunkel.
Dann schloss Bella ihre Hand um Mais. Eine kleine Geste, ein fester Kontakt. Eisig kalte verschlungen mit ofenwarmer Haut. Kräftige Schwielen berührten eine glattere Handinnenfläche.
Die Kerze auf dem Tisch flackerte im Luftzug der kleinen Bewegung.

Und dann – nichts.

Mai schwieg, sah hinab auf den seltsamen Handschlag, der zwischen ihnen auf dem Tisch eine Verbindung herstellen sollte. Ihre Miene war unbewegt. Dabei schien sie in sich hinein zu lauschen.

Noch immer – nichts.


zuletzt bearbeitet 06.01.2022 22:39 | nach oben springen

#49

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 22:55
von Belladonna • 210 Beiträge

Irgendwie kam das Gefühl auf, dass diese Geste zwar zuerst aber nicht nur der reinen Höflichkeit zu verdanken war.
Spannend wie ähnliche Geschöpfe einander sein konnten, mit denen ein einzelner Mensch sich umgab...
Zu gut erinnerte Bella sich an ihre erste tatsächliche Begegnung mit Hochmeister Lorenz, an einem Ort, den man nur durch den Nebel erreichte und Stunden langer, guter Gespräche, bis der Morgen und mit ihm ein hoch irritierter, blauer Pathorpriester die Treppe herunter gekommen war.

Kalt. Es war so kalt.
Erschöpfung, die Begegnung im Wald, mangelnder Schlaf, die Furcht davor, zur Ruhe zu kommen, gepaart mit der magischen Überanstrengung der letzten Tage, machte die kleine Hand, die sich um die der Waldläuferin schloss, unsagbar kalt, ausstrahlend auf die Wärme, die Mai aufgrund ihrer eigenen Natur in sich trug.
Bella war nicht sicher, ob es genügen würde oder ob Ilias es gar als Angriff bewerten würde.
Nach wie vor wollte der linke Unterarm nicht aufhören zu bluten. Ärgerlich drehte die Heilerin ihn ein kleines Stück, um die hellrote Seite des Verbands im dunklen Stoff ihrer Robe verschwinden zu lassen.


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#50

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 23:17
von Mai • 1.039 Beiträge

In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander, stellte Mai unzählige Überlegungen an, verwarf sie wieder. Während dessen, blieb sie so, wie sie war. Hielt den Kontakt, nahm die Kälte die von Bella ausging, der Punkt, an dem sie für den Moment miteiander verbunden waren, ganz bewußt war.

Die Idee, ihre Hand zu reichen und so eine körperliche Verbindung herzustellen, fühlte sich nach wie vor richtig an. Ihr Instinkt hatte sie noch nie im Stich gelassen – sie hatte nur das ein oder andere Mal entschieden, nicht darauf zu achten.

Nun fokussierte sie sich darauf. Ja, der Anfang war gut. Aber was nun? Konnte sie ihre Wärme weiter reichen? Oder der Bardin die Kälte nehmen? Wichtig, das waren zwei vollkommen gegensätzlich Vorgänge. Aber die Kälte war nur ein Ausdruck, ein Symptom für etwas.

Auf keinen Fall wollte sie Ilias aufschrecken, ihn zu keiner unbedachten Reaktion verleiten. Feuer war hier nicht die richtige Antwort auf eine Frage, von der sie nicht wußte, wie sie sie stellen sollte. Oder wie genau sie lauten musste.

Mai dachte an den Raum zwischen den Sternen, den Ort, am dem die Seele des Drachen, verbunden mit ihrer eigenen, zuhause war. Das war nur leider keine Option. Unerreichbar.
Er war auch hier. In ihr, Teil von ihr.

Sie spürte, wie Lorenz sie beobachtete, abwartend, bereit sofort zu handeln, sollte etwas schief gehen.
Das unangenehme Kratzen auf der Innenseite ihrer selbst stellte sich wieder ein. Eine Ablenkung, die sie nicht gebrauchen konnte, daher machte sie von etwas gebraucht, was sie perfektioniert hatte. Sie blendete es aus.

Nichts.

Hatte Bella auch sofort begriffen, dass die Geste mehr war, als eine Abmachung, bewegte sie sich nun unruhig, versuchte den blutigen Verband in ihrer Kleidung zu verbergen. Was hatten nur immer alle mit dem Thema Blut?

Blut. War es das Element, was fehlte? In ihrem Hinterkopf hörte sie Mortems Stimme, eindringlich, warnend.

Mais Blick fiel auf die andere Hand der Halbelfe, über deren Finger sich feine rote Linien zogen.

Ihr Instinkt hatte sie die linke Seite wählen lassen. Ihr Instinkt, der sie niemals betrogen hatte. In ihrer Nase kitzelte der metallisch schwere Geruch, der ihr so vertraut war. Wie kam es, dass sie ihn jetzt erst roch?

Zögernd löste sie den Griff.

„Bella, bitte gib mir deine andere Hand.“

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#51

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 23:38
von Belladonna • 210 Beiträge

Oh Teufel, wenn es nur am Blut an sich liegen würde!
Als Heilerin die sie war, hatte Bella mehr Blut, Wunden, Brüche, Infektionen, verwesende Wunden, gerissene Haut, zerfetzte Sehnen, zerdrücktes Gewebe oder geblendete Augen gesehen, als sie erzählen konnte - Blut kümmerte die kleine Halbelfe wirklich nicht.
Es gab keinen Zweifel daran, dass sie ihnen einen vollständigen Bericht über die Krone, die Umstände, die Prüfungen, die Ghule und alles dazugehörige geliefert hatte, nach besten Wissen und Gewissen... doch einer Frage, war sie ganz entschieden ausgewichen.
In der warmen Hand der Waldläuferin, zitterte Bellas ein wenig, denn ein magisches Wesen war meist in der Lage, die Ahnung der Kraft eines anderen zu spüren, wie man sie gelehrt hatte. Eine gewisse Sensibilität, die nichts mit einem Zauber oder spitzen Ohren zu tun hatte, vielmehr mit der Natur, die dafür verantwortlich war, Magie, die Ahnung der Gesellschaft von Seinesgleichen zu spüren.

Die Narben, quer über die Innenseiten der Fingerglieder verlaufend, waren an beiden Händen geblieben - ein Andenken an das ewig, mit Krieg überzogene Meledras.
Als Mai sie bat, ihr die andere Hand zu reichen, zuckten die Finger der Halbelfe für den Bruchteil einer Sekunde. Sie hob den Blick, sah der Waldläuferin in die so unterschiedlichen, wenngleich nach wie vor schönen Augen, sah sie an, als wolle sie sie stumm um etwas bitten.

"Gut."

Behutsam zog sie den rechten Arm zurück. Reflexartig zog sie in derselben Bewegung, in der sie die linke Hand auf Tischebene hob, den Ärmel bis zum Handgelenk hinunter, über den blutigen Verband am Unterarm, ehe sie sanft die Hand der Waldläuferin ergriff.
Kalt war auch diese Hand, trotz der Leinen, die sich um die Fläche zogen, trotz des frischen Blutes, das über ihre Finger tropfte. Die üblichen, feinmotorischen Bewegungen selbiger waren nach wie vor intakt, auch das Gelenk schien sich problemlos bewegen zu können, dennoch konnte Mai spüren, dass eine magisch gerissene Wunde abwärts davon die Haut aufgerissen hatte. Am Handrücken waren die Ausläufer blau-violetter Spuren zu sehen, die verdächtig nach Fingern aussahen.


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#52

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 06.01.2022 23:53
von Mai • 1.039 Beiträge

Während sie noch über Blut, eine bessere Verbindung und den Dolch in ihrem Stiefel nachdachte, spürte Mai, wie Bella zögerte. Diese war Heilerin, da sollte Blut kein großes Thema mehr sein. Unter dem Verband musste mehr verborgen liegen, als eine mit einer Waffe geschlagane Verletzung. In ihrer Erinnerung blitzten blau-violette Fingerabdrücke auf der Haut auf. Und auch jetzt konnte sie kurz einen Blick darauf erhaschen, bevor eilig ein Ärmel darüber gezogen wurde.
Da war noch etwas, das nicht erzählt worden war.
Trotzdem legte Bella nun die Linke in Mais.

Bevor sie noch einen Gedanken darüber verlieren konnte, was das für eine Wunde sein konnte, schnitt ihr die Kälte trotz des Verbandes, der in Teilen zwischen ihnen lag, bis in die Knochen. Schärfer, als eine Klinge dies vermocht hätte.
Kein Haar breit zuckte Mai zurück, hielt die Hand so sanft, wie sie ihr gereicht worden war, nahm den beißenden Schmerz gelassen an, ohne eine Reaktion darauf zu zeigen.
Die geschlitzte Pupille hingegen weitete sich ein winziges Stück.
Die Heilerin konnte spüren, dass etwas in Mai – aufwachte, sich räkelte und seine Aufmerksamkeit dem Punkt zuwandte, an dem sie die Drachenträgerin berührte. Es gab nichts greifbares, woran sie diesen Eindruck hätte festmachen können, dennoch war er nicht weniger – echt.

Unmittelbar pulste Hitze durch Mais Körper, die sie abstrahlte, wie ein heißer Ofen. Nicht so heftig, dass etwas Feuer fangen konnte – aber es hätte nicht wärmer sein können, hätte jemand den Kamin mitten auf den Tisch gestellt.

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#53

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 00:07
von Belladonna • 210 Beiträge

Erwischt!
Es war ganz richtig, dass da etwas war, was sie nicht angesprochen hatte, doch es schien nicht, als wäre diese Information tatsächlich [iwichtig[/i] ihren Zustand betreffend; es war eine Kleinigkeit, ein grausamer Nebeneffekt, eine Spielerei, ein ewiger Gruß des weißen Paladins, auf magischem Wege in Haut gerissen, doch ohne jedes tiefere Greifen, wie die Verwundung mit einer Waffe; eine Erinnerung ohne magische Anbindung.
Bella hätte den Teufel getan, die Hand jetzt zurückzuziehen, hatte beschlossen, Mai dasselbe Vertrauen entgegen zu bringen, wie sie ihr - noch so ein unausgesprochener Handel, wie es schien.

Gut, zu gut erinnerte die Halbelfe sich an den Augenblick in den Falkenlanden, als der Drache am Ende des Tunnelsystems die gold-schwarzen Irden öffnete, um sie anzusehen. Macht war ihr entgegen gedrungen, hatte sie wieder einmal, doch diesmal in einem vollkommen anderen Maße, an ihre eigene Sterblichkeit erinnert.
Was für ein interessantes Bild mussten sie abgegeben haben; der riesige, gold-rote Drache, kauernd, wie zum Sprung bereit auf dem staubigen Boden und die Halbelfe, im Schneidersitz, winzig dagegen wirkend, die die Höhle mit Gesang erfüllte, in der so lange Jahre nichts als Stille geherrscht hatte.

Eine Sekunde, zwei, ein Herzschlag, noch ein weiterer, in denen Bellas ganze Aufmerksamkeit, magisch wie physisch auf den Veränderungen lag, die sie sehen und spüren konnte.
Unwissend, ob Ilias jetzt in der Lage war, sie zu hören und/oder zu sehen, neigte die Heilerin sanft den Kopf, wie zur Begrüßung.
Wärme erfüllte die kalte Hand, schien ihren Unterarm hinauf zu kriechen. Ein leises, erleichtertes Ausatmen war zu hören, doch um Nichts in der Welt, hätte Bella die Augen von Mais abgewandt; neugierig, abwartend, gespannt, was geschehen würde.
Die besten Geschichten, auch gern solche über Drachen, schrieben sich nicht mit Tinte auf Paper; sie schrieben sich mit Blut und Gold, tief in den Erinnerungen Derer, die sie vielleicht eines noch Tages erzählen konnten.


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#54

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 00:52
von Mai • 1.039 Beiträge

Beinahe hätte Mai die Luft angehalten, als sie spürte, wie ihr Körper immer wärmer wurde. Es hätte ohnehin nichts genutzt, war Ilias wach, hatte sie wenig Einfluss auf das, was er tat. Also atmete sie ruhig und gleichmäßig weiter. Die Kontrolle über den Körper lag immer noch bei ihr. Gut.
Die Hitze, die mit dem sich regenden Drachen durch sie floss, bildete einen steten Pulsschlag in der Hand, die jene von Bella hielt.
Inständig hoffte sie, dass Lorenz abwarten, nicht eingreifen würde, um ein mögliches Feuer zu löschen, bevor es entstand.

Dies hier war ein seltsamer, ein seltener Zustand, in dem sie sich mit Ilias die Anwesenheit teilte. Er konnte noch immer nicht sehen, so vermutete Mai zumindest. Stattdessen tastete er, nach der anderen Person. Konnte eine Seele anklopfen? Oder Magie?

Die Schärfe der Kälte hatte eine Spur nachgelassen, vielleicht nur, weil das innere Feuer sie schlicht für den Moment zurück gedrängt hatte. Das musste sich später zeigen.

Mais Gedanken flogen. Das lief deutlich besser als erwartet. Was jetzt?
Auf den Dracheninseln, als sie von ihrer Herkunft erfahren hatte, war es darum gegangen, ihren Drachen zu wecken, ihm ein Bewußtsein, einen Charakter zu verleihen. Beginnend mit dem Namen. Ilias. Der letzte Lichtstrahl vor der Finsternis. Gerade schien er diese Bezeichnung wie ein Banner vor sich her zu tragen, stand damit vor den Festungsmauern, die Bella um sich errichtet hatte, um dem Schrecken einhalt zu gebieten.

Womöglich war es noch längst nicht an der Zeit, diese Mauern einzureißen, unter Umständen, wäre es niemals so weit und die Ängste wären sicher dahinter verwahrt. Dazu mussten die Wände stark sein. Das zu entscheiden, lag an Bella.
Dafür würde sie Kraft brauchen, die sie nicht mehr hatte, für deren Wiedererlangen sie Ruhe brauchte, die sie so nicht finden konnte.

Jetzt erst sah Mai den Weg, der die ganze Zeit vor ihr gelgen hatte. Zu offensichtlich, um ihn sehen zu können. Sie horchte in sich hinein. Ruhe, Gelassenheit, Kontrolle.

Und dann, ließ sie vorsichtig ein winzig kleines Stück ihrer absoluten Selbstbeherrschung los, gab Ilias damit Raum, sich weiter auf die Halbelfe zu zubewegen. Die Anwesenheit des Drachen war nun deutlich in der kleinen Hütte spürbar, als würde sich seine Präsens über Mai hinaus ausdehnen und strecken. Ein fast greifbares Knistern lag in der Luft, angefüllt mit Kraft, Energie – mit Leben.
Ilias und seine Trägerin stellten Bella frei, sich so daran zu bedienen, wie sie es brauchte.

Dafür würde sie sich jedoch öffnen müssen, den Blick auf den Kern ihrer selbst frei geben, nur für ein Atemholen, einen Atemzug, den sie tun musste.

Beide warteten geduldig auf die Entscheidung der Halbelfe, den Blick auf ihr ruhend. Für einen winzigigen Moment war es, als würde der Drache sie aus dem Auge beobachten, das so sehr an ihn erinnerte.

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#55

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 12:50
von Belladonna • 210 Beiträge

Was für ein seltsamer, zerbrechlicher und gleichzeitig mächtiger Augenblick.
Das Atmen fiel der Halbelfe durch das schiere Erleben, die schlichte Anwesenheit dieses zweiten Geschöpfs schwer, drückte sich ihr auf Augen und Ohren.
Draußen mochte der Krieg toben, jede Minute des Tages, an dem das Land blutete, doch hier, hier drin, in diesem Augenblick, schien sich ein ewig andauernder Moment von ohrenbetäubendem Krach in absoluter Stille niederzuschlagen. Ein Geheimnis, das diesen Ort nicht verlassen würde.
Wärme fuhr Bella über die Haut, den Arm hinauf, brennend in den Spuren am Unterarm, die ihr Ungehorsam ihr eingebracht hatten.
Um Nichts in der Welt hätte sie den Blick von den so unterschiedlichen Augen abgewandt, nicht gewagt, wegzusehen. Ganz weit, irgendwo im Hinterkopf, erinnerte es sie ein wenig an das Gefühl, Mortem gegenüber. Ein Raubtier, war ein Raubtier, war ein Raubtier, war ein Raubtier.
Es war nicht so, dass der Halbelfe körperlich etwas fehlte - jedenfalls nichts, was auf diesem Wege sichtbar wäre -, war weder vergiftet noch anderweitig bis auf den Unterarm verletzt, sie war schlicht und ergreifend furchtbar erschöpft, buchstäblich weiter gelaufen, als ihr Körper gewollt hatte, müde auf eine Art, die Zeit brauchte, um zu heilen.

Einen Anstarrwettbewerb mit einem Drachen würde sie kaum gewinnen, das lag auf der Hand. Kraft, Macht, Leben.tm drangen Bella entgegen, machten ihrem Körper nicht nur wieder einmal die eigene Sterblichkeit bewusst, sondern auch das dringende Verlangen nach Ruhe, nach sicherem Schlaf.
Noch nicht... eine kleine Weile noch...

Die Heilerin wandte den Blick nicht ab, suchte im Gedächtnis nach den passenden Worten, doch alles, was sie hätte sagen können, wäre der Situation nicht angemessen gewesen. Ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen, ehe leiser Gesang, mit Höhen und Tiefen, Flüstern und Drängen, Nuancen, als schmecke sie jeden Ton auf der Zunge, im Halbdunkel erklangen - ohne Magie, ohne jede bardische Spielerei.

"Ich spüre sie schon seit der Dämmerung
die Nacht ist so still und du begreifst nicht warum
der Nebel liegt schwer auf der dunklen See
dort warten drei Drachen, kannst du sie seh'n?"

Das Weltentor - Bella erinnerte sich nicht mehr an jede Zeile oder Strophe, nicht einmal der Refrain war ihr noch vollständig im Gedächtnis geblieben.

"Durch das Tor siehst du die Steppe der Nacht
wo Feen tanzen bis der Morgen erwacht
wo Wölfe schlafen unter blutrotem Mond
Und niemand recht weiß, was in den Sümpfen wohnt"

Dies hier war keine Taverne, in der Volumen oder Lautstärke gefragt waren, in der es galt, jemanden zu beeindrucken; es war eine erste Begegnung mit einem Geschöpf, dem zu zeigen Bella beabsichtigte, dass sie weder für ihn noch für seine Trägerin, eine Bedrohung darstellte. Ihre Stimme war leise, sanft, melodisch passend zum Lied, das ihr seit ihrem ersten Besuch an diesem friedlichen Ort, für Mai im Hinterkopf herumschwirrte.

"Geflügelte Brüder nehmt mich mit
niemals mehr will ich hierher zurück
Ich hab schon fast nicht mehr an euch geglaubt
Hier haben sie mir meine Träume geraubt."


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#56

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 14:17
von Mai • 1.039 Beiträge

Unbewegt saß Mai am Tisch, der Halbelfe gegenüber, deren Blick ebenso haltend, als wäre dies eine zweite Brücke der Verbindung. So bemerkte sie nur am Rand, wie die Flammen der Kerzen sich streckten, länger wurden, heißer brannten. Das Feuer im Kamin bollerte gegen die kleine Ofentür.
Ihr Gespühr für das Verstreichen von Zeit hatte sie längst verloren, auch, oder gerade weil das Pulsieren von Ilias Wärme einen ganz eigenen Takt ergab.

Mit einem Mal fühlte Mai sich ausgelaugt, über jedes Maß hinaus erschöpft. Eine unbekannte Wunde brannte auf ihrem linken Arm, ihre Sicht trübte sich von den Seiten her ein. Sie blinzelte dagegen an, ohne dabei etwas zu verändern. Ihre Beine, ihr ganzer Leib fühlte sich schwer, matt, schwach an. Bleierne Müdigkeit drücke auf ihre Augenlider.
Fühlte sich so das Wirken von Magie an? Dabei trug sie keine eigene in sich. Kostete es sie so viel Kraft, ein Stück in sich selbst zur Seite zu rücken, um der anderen Seele einen Kontakt zur Außenwelt zu ermöglichen? Bisher war es ihr nur ein, zwei Mal gelungen, sich diesen Raum mit Ilias zu teilen. Was wußte sie schon darüber, wie das funktionierte und was es sie kosten konnte?
Mai versuchte ihre Konzentration aufzuteilen. Ein Teil lag bei dem Drachen, der sich neugierig regte, der andere blieb bei der Halbelfe.

Das war Bellas Erschöpfung, begriff sie unvermittelt. So fühlte sich die Halbelfe. Ilias spiegelte sie in Mais inneres. Kaum hatte sie das erkannt, klang das Gefühl ab, verebbte ganz. Was blieb war eine wortlose Stille, die sich mit dem klaren Klang einer Stimme füllte. Die Bardin sang. Ihr Versuch, sich dem Drachen vorzustellen.

Ilias streckte sich, dehnte seine Gegenwart vollständig auf den kleinen Raum aus. Ein leises Ächzen und Knarren waren aus den Balken in Decke und Boden zu hören.
Er wartete, wartete auf eine Entscheidung.

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#57

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 14:39
von Lorenz • 1.157 Beiträge

Bis auf die offensichtlichen Veränderungen der Umgebung bekam Lorenz von den Prozessen die in Mai und Bella vorgingen nichts mit. Trotzdem löste sich seine Anspannung kein bisschen.
Akribisch beobachtete er die beiden Frauen die vor ihm saßen und Kräfte benutzten die sie nur bedingt kannten oder noch nicht erforscht hatten. Wann waren Dinge jemals ungefährlich auf Eridmea?

Die zunehmende Wärme im Raum, besorgte Lorenz zunächst nicht großartig, obwohl er sehr genau darauf achtete, dass Mais Körpertemperatur nicht ebenfalls massiv zunahm. Nicht einmal er vermochte zu sagen, was alles aus dem hier passierenden erwachsen konnte.
Vermutlich alles zwischen nichts und einem mittleren Weltuntergang. Wenn man es realistisch betrachtete.
Er hatte Ilias und seine Macht mehrfach kennengelernt. Nichts womit man sich anlegte, nichts was man ungelenkt in die Welt entlassen konnte oder durfte. Und dann waren da noch die Worte von Iskandar, die sich in seinen Geist für immer eingebrannt hatten.

Nach und nach, so vermutete trat Mai einen Schritt von sich selbst zurück, machte Ilias Raum, gab ihm Platz.
Nun war die Kunst sich selbst nicht zu verlieren und trotzdem zu jeder Zeit einen Bezug zu dieser Welt zu behalten.

Für einen kleinen Augenblick schloss Lorenz die Augen, murmelte unverständliche Worte. Kurz glitt seine rechte Hand über sein linkes Handgelenk. Dann legte er sie neben Mais freie Hand auf den Tisch, wohl darauf achtend sie nicht zu berühren.

Trotzdem veränderte sich in diesem Moment etwas in Mais Wahrnehmung. Kaum vorhanden und trotzdem da. Wie der Wind in den Blättern, das Licht der Sonne oder des Mondes. Nichts was man mehr aktiv wahrnahm und trotzdem war es beruhigend zu wissen das es da war.
Ein Anker in der Wüste...


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#58

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 16:56
von Belladonna • 210 Beiträge

Wärme, Magie, Macht, das Gefühl der Schuppen unter den Fingerspitzen auf Mais Handrücken, der Geruch von Feuer, unterschwellig von Kaffee und brennendem Holz im Ofen, die fremde Präsenz des Drachens - alles Dinge, die einem so erschöpften Unterbewusstsein schwer fielen, zuzuordnen.

Bella begriff, dass Ilias sich etwas ansehen wollte, etwas, von dem sie nicht recht wusste, was genau es war. Sie würde den gottverdammten Teufel tun und an dieser Kraft ziehen! Sogar in ihren spitzen Ohren käme das einer unfassbaren Arroganz gleich. Sie wusste genau gar nichts über die genauen Ausmaße seiner Macht, der Art seiner Magie, der Möglichkeit, sie von Innen her zu verbrennen.
Nein, nein, an ihm zu ziehen kam auf keinen Fall in Frage. Zu gut erinnerte sie sich an die letzte Reise nach Talosia, während der sie überladen von chaotischen Anteilen war, nachdem sie eine astrale Sicht auf ein instabiles Portal wirkte - diese war jedoch wenigstens auf irgendeine Art vertraut gewesen.
Xruul allein wusste, was geschehen würde, würde sie bewusst an dieser Kraft ziehen - mit einer Standpauke war es dann vermutlich nicht mehr getan.
Dennoch begriff sie, dass der Drache auf eine Art....anklopfte, um sich etwas anzusehen? Ihre Absichten seiner Trägerin gegenüber? Geschenkt. Bella nickte unmerklich, atmete aus, ließ dem Drachen Raum, ihr ein Stück näher zu kommen, so er denn wollte.
Wonach suchte er?

Funken, rote und goldene, begannen im Raum zu tanzen, solche wie Lorenz sie schon oft gesehen hatte, wenn Bella Briefe verschickte. Ihre eigene Magie, vor gar nicht allzu langer Zeit noch so mühsam sortiert und kontrolliert, in einem erschöpften Körper dummerweise vollständig regeneriert und nutzbar, schien der Halbelfe in diesem Augenblick langsam zu entgleiten.
Nun, mit Glück wäre es diesmal wenigstens unklar, wer dem Hochmeister den Mantel angezündet hatte, würde dieser denn Feuer fangen.
Rechts und links, vor und hinter ihnen, huschten Schatten, weitere astrale Projektionen durch den Raum; ein Kellerraum, übersäht mit Trümmern, der Geruch nach Blut, so viel Blut zeigte sich schimmernd, flackernd, dem Zuschauer. Eine blonde Dame mit ausladendem Hut lag neben Bella auf den Knien, widerholte wieder und wieder dieselben Bewegungen, schien lebendig genug, als dass das schreckliche Schweigen von nebenan wichtiger zu sein schien. Das Bild wandelte sich, zeigte Blut, überall Blut auf Steinen und Splittern. Hektisch hatte die Halbelfe nach Lorenz und Tondrake gesucht, bis ihr der Hochmeister, auf dem Boden liegend, ein Bein in furchtbar verdrehter Haltung unter das andere geschlagen, zuerst unter die Hände kam.
Zu viel Zeit und ein paar verzweifelte Dummheiten später, war sie anderen Geschöpfen begegnet, von denen sie nie geglaubt hatte, je mit ihnen zu sprechen.
Die Bilder rissen ab, setzten sich neu zusammen, zeigten Selena, im Schneidersitz vor einem Feuer sitzend, die roten Augen amüsiert auf den Betrachter gerichtet, veränderten sich, wurden weiß, schneeweiß, bildeten Turban und dazu passende Gewandung; Siria, die Bella über Eck in einer Taverne am Tisch gegenübersaß, eine Feder in der Hand, die hastig über Papier eilte, zersprangen, färbten sich, bis sie das vertraute Gesicht der Lady E'Fark annahmen, um deren schlanke Fingergelenke spielend ein Feuerball flog und immer so fort...


Fraktion Singen und Klatschen?
Sag das noch mal, wenn du gerade verblutest ;)
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#59

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 07.01.2022 19:48
von Mai • 1.039 Beiträge

Zunächst war Mai davon ausgegangen, dass Bella nicht verstand, was Ilias ihr anbot – oder nicht wusste, wie sie es annehmen sollte. Lamgsam stellte sich nun jedoch die Vermutung ein, dass sie es schlicht nicht wollte.
Mehr unterbewußt, als dass sie es sah, bemerkte sie, dass Lorenz sich neben ihr bewegte, leise etwas murmelte, das sie nicht verstand. Auf die Worte zu lauschen, war nicht möglich, auch nicht, genau zu beobachten, was er tat.
Wenn notwendig würde sie sich später damit befassen. Gerade drängte sich Ilias Präsens gegen ihre und Mai musste aufpassen, dass er ihr nicht die Sicht nahm. Um sie herum tanzten nun winzige Lichtpunkte durch die Luft, auf die der Drache reagierte. Neugierg streckte er sich danach.
Erneut hörte man das Gebälck ächtzen. Es erinnerte an ein Schiff, das in schwerem Seegang lag.
Langsam gingen ihr die Idee aus. Was genau hatte sich Lorenz dabei gedacht, nach Ilias Schutz für Bella zu fragen? Vielleicht hätte sie vorher nachfragen sollen, wie dieser aussehen sollte… ungünstiger Weise war gerade keine Zeit für Gespräche.

Erneut entstanden magische Bilder, rasch aufeinander folgende Szenen, die verschiedene Personen zeigten. Und Blut. Wenn überall Blut ist, ist Blut das einzige.
Mai blinzelte, worauf die Luft leicht vibrierte. Ungeduld. Sie konnte sie deulich spüren, wohl wissend, dass es nicht ihre war. Die Flut an Eindrücken die von außen und aus ihrem Inneren auf sie eindrängten, begannen ihren Tribut zu fordern. Unnatürlich stand die anhaltende Hitze im Kontrast zu blasser Haut.

Die Drachenträgerin wartete, hielt die zweite Seele an einer zarten Leine zurück, hinderte sie daran, hier in der winzigen Hütte ihre wahre Gestalt anzunehmen. Der Wunsch sich zu strecken, die Flügel auszubreiten und dem inneren Feuer den Weg in die Freiheit zu gewähren, war so stark, dass er sich wie ihr eigener anfühlte.

Atmen, nicht ablenken lassen, Kontrolle.

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#60

RE: Lorenz, Belladonna, Mai

in Forenspiel 2022 08.01.2022 21:49
von Belladonna • 210 Beiträge

Was sollte sie tun?
Wohin sich wenden?
Sarkastisch huschte ihr durch den Hinterkopf, dass in einem Märchen jetzt der Augenblick wäre, ein Lied zu singen, damit die Welt sich veränderte, Dinge zum Guten wendeten - Überraschung; in Eridmea herrschte Krieg.
Dies hier waren nicht die Erzählungen, in denen am Ende alles gut wurde, weil man es eben erwartete. Sie hatte bitter gelernt, mitunter auch oft und gern von Mortem Tha, von Lorenz und Talin, dass falsche Entscheidungen tödlich sein konnten.
Bellas Gedanken rasten. Sie versuchte, alles zusammen zu kratzen, was Selena ihr je über geteilte Seelen, deren zweite Hälfte und Träger erklärt hatte, versuchte sich an das zu erinnern, was Balian und Khassa sie gelehrt hatten, was Ria ihr berichtete, was sie im Umgang mit Patienten gelernt hatte, was....

Und dann...
...dann wurde es still.

Zwischen all dem Chaos, der Magie, der aufkommenden Macht, die an Mais Arm entlang zu spüren war, in einem gefühlten Sturm aus wenn und aber, aus was wäre, wenn?, erklang die Stimme eines Freundes, auf dessen Lippen so etwas wie ein Lächeln lag.
Die Halbelfe schloss die Augen und lauschte.
Was ist wichtig? Dass du weiter gegangen bist, obwohl du es nicht konntest...oder die Nachwehen deines Kampfes?
Eine Sekunde, eine zweite nur und eine unfassbare Ruhe machte sich in Bellas Innerem breit.
Sie dachte an Balian, der so tapfer gewesen war, ihr sein Leben anzuvertrauen, der acht lange Stunden, tief unter der Erde wartete, voller Furcht, voller Zorn und ihr mutig buchstäblich seinen Herzschlag in die Hände gab, an Elysaie, Siria, Leandra, Harun, Ignatius und Mortem, die sie in den Wald begleiteten, damit sie nicht allein gehen musste.
Am Ende der Nacht, als vor den Stufen wieder die Ghule tobten, war Bella einfach nur dankbar gewesen, dass Balian wieder frische Luft atmete.
Ein Lächeln huschte über ihre Züge.
Es sind seltsame Situationen, in denen wir bemerken, wie wenig allein wir sind, wie weit wir gegangen sind, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit und warum unsere Füße uns soweit getragen hatten - denn das hatten sie getan.

Die huschenden Projektionen verschwanden, die Kälte klang ab.
Als die Halbelfe die Augen öffnete, sich ihrer Erschöpfung bewusst, doch auch der unfassbar viel wichtigeren Tatsache, dass Balian und sie selbst noch am Leben waren, lag Ruhe darin.
"Guten Abend, Ilias.", begrüßte sie den Drachen mit sanftem Ton. "Mein Name ist Belladonna. Ich freue mich, deine Bekanntschaft zu machen."


Fraktion Singen und Klatschen?
Sag das noch mal, wenn du gerade verblutest ;)
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